W W W . O R G O N O M I E . J I M D O S I T E . C O M

 

Facebook-Einträge von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

Liebe, Arbeit und Wissen und der Coronavirus

David Holbrook, M.D.

 

Liebe, Arbeit und Wissen stammen aus dem Kern. Alles, was eine dieser Funktionen stört, stört auch die beiden anderen Funktionen. Sie alle interagieren und sind voneinander abhängig. Zum Beispiel wird etwas, das die Arbeitsfunktion behindert, auch die Liebes- und Wissensfunktion behindern, weil die Gesamtfähigkeit des Organismus zur Erregung und Wahrnehmung (Kontakt) beeinträchtigt wird.

Reich beschrieb im Grunde genommen die gesamte Psychologie, Physiologie und Soziologie als eine Funktion des Grades der freien Bewegung bzw. des Mangels an freier Bewegung der Orgonenergie. Wenn wir also über Liebe, Arbeit, Wissen, Psychologie, Physiologie, Soziologie oder Politik sprechen, sprechen wir tatsächlich über Orgonenergie-Funktionen.

In dieser Passage zeigt Reich die Verbindung zwischen genitaler Liebe und Wissen:

Die Menschen weichen der Wahrheit aus, weil schon das erste bißchen Wahrheit, das ausgesprochen und gelebt würde, weitere Wahrheit hervorriefe; und dies würde sich unberechenbar fortsetzen (S. 309) … DIE WAHRHEIT ZU BERÜHREN IST DAS GLEICHE, WIE DIE GENITALIEN ZU BERÜHREN. Daher stammt das „Nicht berühren!“ in Bezug auf alles, was ernst, entscheidend und lebensrettend ist, was zu echtem Selbstvertrauen führt. (Reich, W. 1953: Christusmord. Freiburg: Walter, 1978, S. 339, Hervorhebungen im Original.)
Hier ein Beispiel dafür, wie Reich soziologische Prozesse als biologisch betrachtete, die mit der freien Bewegung der Orgonenergie verbunden sind:

Gemeint ist die echte Freiheit der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die Freiheit von Lebensangst, von ökonomischer Unterdrückung welcher Form immer, die Freiheit von reaktionären Hemmungen der Entwicklung, kurz, die freiheitliche Selbstverwaltung des Lebens. Befreien wir uns von allen Illusionen. In der Menschenmasse selbst wirkt eine reaktionäre, mörderische, entwicklungshemmende Macht, die alle Anstrengungen der Freiheitskämpfer immer wieder zuschanden macht. Diese reaktionäre Macht in den Menschenmassen erscheint als allgemeine Angst vor Verantwortung und als Angst vor Freiheit. Dies sind keine moralischen Werturteile. Diese Angst wurzelt tief in der biologischen Konstitution des heutigen Menschen. (Reich, W. 1946: Die Massenpsychologie des Faschismus. Frankfurt: Fischer TB, 1974, S. 294, Hervorhebungen im Original)
Im folgenden zeigt Reich den Zusammenhang zwischen der Befähigung zur genitalen Liebe und der allgemeinen Fähigkeit des Organismus, erregt zu werden, generell Lust zu empfinden und sogar wahrnehmen zu können:

Wird die sexuelle Erregung gebremst, so entsteht ein fortschreitender Widerspruch: Die Bremsung steigert die Erregungsstauung; die gesteigert Erregungsstauung schwächt die Fähigkeit des Organismus, sie abzubauen. Dadurch erwirbt der Organismus eine Angst vor Erregung, mit anderen Worten, die Sexualangst. Sie ist somit durch äußere Versagung der Triebbefriedigung veranlaßt und durch die Angst vor der gestauten Sexualerregung innerlich verankert. Daraus leitet sich die Orgasmusangst ab. Sie ist die Angst des dem Lusterlebnis entfremdeten Ichs vor der überwältigenden Erregung des Genitalsystems. Orgasmusangst bildet den Kern der allgemeinen strukturellen Lustangst (1934). Sie äußert sich gewöhnlich als allgemeine Angst vor jeder Art vegetativer Empfindungen und Erregung oder der Wahrnehmung solcher Erregungen und Empfindungen. Lebenslust und Orgasmuslust sind identisch. Die äußerste Erscheinung der Orgasmusangst bildet die allgemeine Lebensangst. (Reich, W. 1942: Die Funktion des Orgasmus, Frankfurt: Fischer TB, 1972, S. 124)
Hier verbindet Reich die Orgasmusangst mit der Fähigkeit zum Kontakt selbst, was buchstäblich das verursacht, was er als „Kontaktangst“ bezeichnet:

Je mehr Energie den Rigiditäten, der Muskelpanzerung, den Symptomen entzogen wurde, desto lebendiger und mobiler wurde der Organismus, bis die „Kontaktangst“ in der Genitalsphäre, die „Orgasmusangst“ als letztes Haupthindernis für die Wiederherstellung des Gleichgewichts im organismischen Energiehaushalt auftauchte. (Reich W 1956: „Die emotionale Wüste“, In: Ausgewählte Schriften, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1976, S. 464f)
Alle biologischen Funktionen beinhalten nicht nur psychischen (psychologischen) Kontakt, sondern auch somatischen Kontakt, der für das reibungslose Funktionieren des Immunsystems notwendig ist.

Der Angriff auf die Arbeitsfunktion, ein Nebeneffekt der scheinbar rationalen Notwendigkeit, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zu verringern, verursacht eine sehr große Kontraktion, die die Menschen in jeder Hinsicht betrifft und meiner Meinung nach höchstwahrscheinlich auch ihre Fähigkeit beinhaltet, eine ordnungsgemäße Immunantwort (Erstrahlung) auf das Virus aufzurichten!

 

Psychopolitik und die Pandemie der Angst

Wir haben eine Pandemie erlebt, die sowohl biologische als auch soziopolitische Aspekte hat. Die Angst ist der „Dünger“ für das Aufblühen der gesellschaftspolitischen Pandemie. Und diese Angst war der Hauptantrieb der Politik, nicht der Wissenschaft. Ich glaube, daß die Wissenschaft mehr von der Politik geprägt ist als die Politik von der Wissenschaft.

Während der gesamten Pandemie wurde viel von „Wissenschaft“ gesprochen, doch während des gesamten Prozesses, auch bis in die Gegenwart, wenn man sich die Wissenschaft so ansieht, selbst wenn man keinen wissenschaftlichen Hintergrund hat, war es die ganze Zeit über klar, daß die Schlußfolgerungen, die aus den verfügbaren Daten gezogen wurden, extrem wackelig und hauptsächlich durch Angst motiviert waren. Die Unsicherheit und Unzuverlässigkeit der „Wissenschaft“ ist schmerzhaft offensichtlich, denn mit jedem Tag, jeder Woche und jedem Monat werden von den „Autoritäten“ widersprüchlichere Behauptungen aufgestellt, und jedes Narrativ, das der „offiziellen“ Erzählung zuwiderläuft, wird unterdrückt. Die Politik hat sich bei jedem Schritt von Schlagzeilen statt von Daten leiten lassen. Und politische Ideologie hat diesen ganzen Prozeß gefärbt und geformt.

Zuerst wurde uns gesagt, das Ziel sei es, die Kurve abzuflachen. Aber dann wurde uns gesagt, daß das Ziel darin bestünde, den Lockdown in irgendeiner Form fortzusetzen, bis ein Impfstoff entwickelt sei. Die offenkundig negativen gesundheitlichen und wirtschaftlichen (was letztlich auch Gesundheit ist) Folgen einer solchen Politik wurden völlig ignoriert.

In der ganzen Welt wurde die Politik von oben nach unten und nicht in Absprache mit den Menschen erdacht und durchgesetzt. In den Vereinigten Staaten hat sich dies dadurch manifestiert, daß die Exekutiven der Landesregierungen eine Bunkermentalität angenommen und die Beteiligung der bürgernäheren Legislative gemieden haben.

Kann mir bitte jemand erklären, warum jedes kleine Unternehmen in Amerika geschlossen und zerstört werden mußte? Ich spreche nicht für mich persönlich, ich bin beschäftigter denn je; wenn die Wirtschaft schrumpft, nehme ich allerdings an, daß es mich irgendwann treffen wird. Aber warum war es für uns alle sicherer zu Walmart zu gehen und zusammen mit 1000 anderen Menschen einzukaufen, als in kleinere Läden zu gehen, wo wir einem Dutzend Menschen ausgesetzt gewesen wären? Ich liebe Walmart, aber jedes andere Geschäft auf der Erde zu zerstören, macht keinen Sinn. Und was ist mit all den Auswirkungen stromabwärts? Die Amerikaner werden nicht verhungern, aber es werden Dutzende Millionen Menschen in Asien und Afrika sein, die verhungern werden, weil der Westen kein Geld haben wird, um ihre Waren zu kaufen. Und wieso macht es Sinn, in New York City die gleiche Politik zu betreiben wie in einem Bezirk in North Dakota? Es gibt viele Fragen, die beantwortet werden müssen, und wenn wir all dies in Zukunft überprüfen, wird es offensichtlicher sein, welche politischen und wirtschaftlichen Kräfte am Werk waren, die die Maßnahmen bestimmt haben.

Große Institutionen – die Zentralregierung, große Unternehmen – gewannen Macht auf Kosten kleinerer Institutionen und auf Kosten individueller Wahlmöglichkeiten und individueller Freiheit. Die Legislative, der dem Volk am nächsten stehende Zweig der Regierung, wurde völlig außen vor gelassen, nicht einmal konsultiert, keine Zusammenarbeit, nichts. Den Gesetzgebern wurde gesagt, sie sollten mit allen anderen nach Hause gehen und dort bleiben!

Anstatt auf das Urteil des einzelnen Bürgers zu vertrauen, wie es in verschiedenen Ländern in unterschiedlichem Maße geschehen ist, blühte ein eher totalitärer Ansatz auf, von oben nach unten, der von Angst genährt wurde. Die Ansätze, die gewählt wurden, waren autoritär. Genau wie in früheren historischen Epochen wurde der autoritäre Ansatz durch eine Atmosphäre der Angst gerechtfertigt, die zum Teil teilweise rational, zum großen Teil aber durch eine bewußt kultivierte Epidemie der Angst angetrieben wurde.

Handelt es sich um eine bewußte Verschwörung? Das glaube ich nicht. Aber ich glaube, es hat etwas damit zu tun, wie bestimmte Arten von Menschen auf Angst reagieren, und mit den Arten politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen, die durch die Ängste der Menschen heraufbeschworen wurden.

Interessanterweise haben die Linke und die Rechte unterschiedlich auf die Pandemie reagiert, insbesondere auf den Lockdown. Jeder hat seine eigenen „Scheuklappen“; Filter, durch die Menschen auf der rechten bzw. linken Seite bestimmte Dinge wahrnehmen und bestimmte andere Dinge vernachlässigen. Aus irgendeinem Grund befürwortet die Linke die Lockdown-Strategie mehr als die Rechte. Ich denke, der Versuch ist sehr wichtig, das Warum zu verstehen. Wenn wir verstehen können, warum, könnte uns das etwas über die Natur der Linken und die Natur der Rechten lehren.

 

Eine pandemische Erleuchtung

Nebenbei glaube ich, und ich fühle das schon seit ein paar Wochen, daß es zumindest eine Art Silberstreif am Horizont dieser schrecklichen viralen und psychosoziopolitischen Pandemie gibt: Ich glaube tatsächlich, daß die Menschen, wenn alle zur Vernunft kommen, rationaler funktionieren werden, auch rationaler, als sie es bereits vor der Pandemie waren.

Es liegt auf der Hand, daß das ganze Land und die ganze Welt auf die durch das Virus hervorgerufene Angst letztlich auf eine politisch linke Art und Weise reagiert haben. Aber ich denke, die katastrophalen Folgen dieser Reaktion der Linken werden jetzt allen klar sein. Ich glaube also, daß es eine Art hochkomprimiertes, schnelles und verheerendes „linkes politisches Experiment“ sein wird, dessen Scheitern und Nichtwünschbarkeit allen klar sein wird.

Ich glaube, es besteht ein hohes Potential für eine Wiedergeburt von Freiheit, Freiheit und Demokratie.

Diejenigen, die während dieser Pandemie eine gesunde Liebesbeziehung hatten, können sich glücklich schätzen, denn Liebe ist das einzige Heilmittel gegen die Angst. Liebe hält einen Menschen auf das konzentriert, was zählt, und so ziemlich alles, was in der ganzen Welt zählt, ist die Liebe zwischen dir und den Menschen, die du am meisten liebst. Das ist rational. Sie funktioniert als zentrierende und erdende rationale Erfahrung für dich inmitten all dieser Angst. Ich habe gehofft, daß die Menschen daraus mehr Dankbarkeit für das, was sie haben, und mehr Nähe zu ihrer Familie und ihren Freunden, mit denen sie das alles durchgestanden haben, entwickeln werden. Das ist ein Teil des Silberstreifens, der meiner Meinung nach möglicherweise kommen wird. Eines Abends vor ein paar Wochen kam es mir wie eine Offenbarung vor.

Es ist, als ob bei uns allen durch die Mordsangst die „Scheiße“ herausgeprügelt würde. Das Endergebnis könnte sehr wohl sein, daß wir alle mehr mit unserem Kern und der Notwendigkeit in Berührung kommen, Bedingungen zu schaffen, unter denen unser Kern gedeihen kann. Und diese Bedingungen sind die Bedingungen von Freiheit und Demokratie.

 

Politik und die Pandemie

Ich denke, die Frage der Politik der Pandemiebekämpfung ist komplex. Es ist sehr bedauerlich, daß sich die Pandemie und die Reaktion auf die Pandemie in politische Strömungen geteilt haben.

Ich stimme im Allgemeinen nicht unbedingt dem Meme „Konservative sind gegen die Wissenschaft“ zu. Ich glaube vielmehr, daß es bestimmte wissenschaftliche Fragen zur Pandemie und zu anderen Dingen, wie dem Klimawandel, gibt, bei denen bestimmte Schlußfolgerungen die Tendenz haben, bestimmte politische Modelle und bestimmte politische Ergebnisse zu bevorzugen, und deshalb neigt jede Seite dazu, bestimmte Daten zu bevorzugen und andere Daten zu ignorieren, die ihre Weltsicht und ihre politischen Präferenzen und Modelle nicht unterstützen. Es mag sein, daß die „liberalen wissenschaftlichen Modelle“ in bestimmten wissenschaftlichen Fragen eine „Wahrheitsmehrheit“ repräsentieren, aber es gibt auch den Druck der „politischen Korrektheit“, Daten zu unterdrücken und zu verwerfen, die nicht in das „politisch bevorzugte“ wissenschaftliche Modell passen. Ich denke also, es ist klar, daß diese politischen Präferenzen auf beiden Seiten dazu neigen, die wissenschaftlichen Modelle der jeweiligen Seiten zu verzerren. Vielleicht erweisen sich Konservative in diesen Fragen schließlich eher als „Wissenschaftsgegner“ als die Liberalen, aber ich denke, daß Liberale auch in unterschiedlichem Maße „Wissenschaftsgegner“ sein können, wenn die Daten nicht zu ihren bevorzugten politischen Lösungen passen. Ich denke, das ist ziemlich dramatisch, wenn es um die Pandemiedaten geht. Zum Beispiel neigen die medizinischen und gesundheitspolitischen Modelle stark dazu, die schlimmstmöglichen Szenarien zu bevorzugen und die sehr bedeutenden gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen, zum Beispiel der extremeren Lockdown-Politik, völlig zu ignorieren.

Wir können die Risiken des Nichthandelns nicht ignorieren, aber es ist bedauerlich, daß es an Toleranz mangelt, alle Seiten dieser Frage zu berücksichtigen. Es scheint auch klar zu sein, daß bestimmte Präferenzen hinsichtlich der Maßnahmen bestimmte Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen begünstigen. Zum Beispiel schadet eine geschwächte Wirtschaft gewöhnlich dem Amtsinhaber.

Ich denke, diese Fragen spielen in bevorzugte politische Modelle hinein, können aber auch etwas mit politischen Temperamenten zu tun haben. Ich frage mich zum Beispiel, ob links und rechts unterschiedlich auf Angst reagieren. Ich denke, die Linke neigt dazu, die vorsichtigere und „bedächtigere“ Reaktion auf Angst zu bevorzugen, einschließlich manchmal einer Art „Hamlet-ischer“ Lähmung und Unentschlossenheit. Ich glaube auch, daß Liberale in ihren Köpfen bequemer leben als Konservative. Ich denke, daß Konservative dazu neigen, mehr „vorwärts“ zu stürmen. Ich glaube auch, daß es Unterschiede in der Einstellung zur Arbeit geben kann, und es gibt definitiv Unterschiede in der Einstellung zu verschiedenen Wirtschaftsmodellen und politischen Praktiken.

Ich denke, daß jede Seite etwas zu bieten hat, und ich finde es schade, daß die beiden Seiten so polarisiert sind.

Ich denke, die Polarisierung läuft letztlich auf eine starke Polarisierung hinsichtlich dessen hinaus, welche Art von politischen Modellen unser Leben und die politischen Antworten auf bestimmte globale Fragen bestimmen sollten. Ich denke, daß es im Laufe der Jahrzehnte einen zunehmenden Grad an politischem und kulturellem Bürgerkrieg gegeben hat. Ich denke, dieser Bürgerkrieg ist grundlegender als nur die Polarisierung wegen Trump. Ohne Trump wäre die Polarisierung fast genauso stark, seien wir ehrlich.

Ich denke, der Aufstieg von Trump stellt eine soziopolitische „Kristallisation“ dieser zugrundeliegenden politischen Kluft dar. Seine persönlichen Eigenschaften entflammen eine bereits bestehende soziopolitische Kluft. Ich glaube nicht, daß dies im Großen und Ganzen notwendigerweise eine „schlechte“ Sache ist. Ich denke, es ist eine Manifestation eines soziopolitischen Prozesses, der ungeachtet dessen voranschreitet. Ich hoffe nur, daß sich der Prozeß auf politischem Wege zum tragen kommt und nicht durch Aufruhr und gegenseitiges Provozieren und Abschlachten.

 

Politik und Angst

Ein Facebook-Freund stellte die wohlbekannte Behauptung auf, daß Trumps Wahl auf Angst beruhte. Dies war meine Antwort:

Das ist ein interessanter Kommentar, den du über die Angst machst. Wenn man für einen Moment das Meme beiseite läßt, der Erfolg Trumps beruhe irgendwie einzig und allein auf Angst: basiert nicht immer ein großer Teil der Politik auf Angst? Angst vor der Politik der anderen Seite? Ist nicht die Angst, die der Politik zugrunde liegt, der Grund, warum die Menschen so emotional werden, wenn es um Politik geht? Ich habe oft gedacht, daß der Grund dafür, daß wir alle so fest und emotional an unseren politischen Überzeugungen festhalten, darin liegt, daß unsere politischen Visionen als eine Art Fahrplan zum Überleben funktionieren: Was wir denken, wird uns helfen zu überleben.

Vermutlich geht es in der Politik nicht nur um Angst. Vermutlich geht es zum Teil um einen positiven Geist der Zusammenarbeit.

Aber warum sonst sollten die Menschen auf beiden Seiten wütend aufeinander werden, wenn nicht wegen der Angst auf allen Seiten?

Es ist, als würden wir uns gegenseitig anschreien: „Faß nicht auf die glühende Herdplatte!“

Und diese Angst führt vermutlich auch zu dem heftigen moralisierenden Ton, den wir alle an den Tag legen. So kommt es also zu: „Sie sind ein böser Mensch, weil Sie jeden ermutigen – vielleicht sogar jedem befehlen, die glühende Herdplatte anzufassen!“

 

COVID-19, Angst und Wut

Ein ganz einfacher Gedanke ist mir heute gekommen: COVID-19 selbst, zusammen mit dem Lockdown (unabhängig davon, ob du den Lockdown als absolut notwendig oder nicht notwendig oder irgendwo dazwischen betrachtest), haben eine enorme Menge an Angst und Wut erzeugt (und das gilt unabhängig davon, auf welcher Seite der politischen Kluft du dich befindest).

Eine Sache, die interessant ist, ist die Frage, wie COVID-19 zu einem politischen Thema wurde. Ich frage mich, wieviel das damit zu tun hat, daß einige „politische Charaktertypen“ eher mit Angst und andere eher mit Wut reagieren. Sowohl die Angst als auch die Wut können rationale oder irrationale Aspekte haben. Manchmal ist es gut, auf seine Angst zu hören und vorsichtig zu sein; manchmal ist es gut, ins Leben hinauszugehen, seine Angst zu ignorieren und einen Kampfgeist zu entwickeln, bei dem man Risiken eingeht. Jedes dieser Dinge kann zu einem ungesunden Extrem führen.

Und schließlich: Worum geht es in der Politik, wenn nicht um Angst und Wut? Zumindest geht es in der dysfunktionalen Politik um diese Dinge. Zu schade, daß wir keine funktionellere Politik betreiben können, wo Angst und Wut nicht die dominierenden Themen sind, wo Menschen tatsächlich Gespräche führen könnten und sich nicht scheuen müßten, das zu sagen, was sie denken oder fühlen, wo sie in der Lage wären, alles zu erforschen, die ganze Wahrheit und nicht nur die Teile der Wahrheit, die unserem Temperament oder unseren ideologischen Bindungen entsprechen.

Viele Menschen haben das Gefühl, daß die von COVID-19 erzeugte Angst und Wut und die emotionale/psychologische/soziale Stauung, die aus dem Lockdown resultierte (ob notwendig oder nicht), zumindest eine gewisse Rolle in der Politik der Straße gespielt haben, die sich seit dem Tod von George Floyd abspielt.

 

 

zuletzt geändert
09.08.20

 

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