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Facebook-Einträge von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

Verbrechen und Verantwortung

David Holbrook, M.D.

 

Verbrechen als „Wahl“ zu bezeichnen, ist nicht von Religion zu unterscheiden, zum Beispiel vom Christentum. Ich will Religion nicht runtermachen, aber solche Dinge als Wahl zu bezeichnen, ist einfach eine Form des Moralismus. Mit dem Finger zu zeigen und zu sagen: „Das ist böse“, als ob dies eine Erklärung wäre. Es kann dazu führen, daß sich die Person, die mit dem Finger zeigt, besser fühlt, aber es ist völlig nutzlos, wie Tausende von Jahren menschlicher Geschichte gezeigt haben. Es ist auch wirklich oberflächlich. Menschen, die böse Dinge tun, gehören ins Gefängnis, weil dies die einzig wirksame „Behandlung” ist: jemanden für eine Krankheit unter Quarantäne zu stellen, die größtenteils unheilbar ist. Ist der Verbrecher für sein Verbrechen verantwortlich? Ja. Das heißt aber nicht, daß moralische Verurteilung eine Diagnose oder eine Behandlung darstellt. Sind beispielsweise Haßverbrechen böse? Ja. Sind sie eine Wahl? Nein. Gibt es Teile des Gehirns, die für die Wahl verantwortlich sind? Ja und nein. Alles im Gehirn ist abhängig von etwas anderem im Gehirn. Haben Menschen einen freien Willen? Ein bißchen, aber meistens nein. Wählst du, wer du bist? Entscheide ich mich zu sein, wer ich bin? Nein, wir sind, wer wir sind und wir versuchen das Beste daraus zu machen. Die Wahl ist größtenteils eine Illusion. Die Tatsache, daß etwas schwer zu verstehen ist, rechtfertigt es nicht, vereinfachende Erklärungen vorzuschlagen. Und nur für den Fall, daß jemand denkt, ich würde Verbrecher entschuldigen, er ginge völlig fehl. Kriminelle sollten eingesperrt werden. Mein Punkt ist, daß es sinnlos ist, auf im Wesentlichen mystische Erklärungen wie „Wahl” zurückzugreifen, und daß es ein Verzicht auf die Vernunft darstellt. Es öffnet auch die Tür zur Vergeltung: Wenn jemand eine Entscheidung trifft, „verdient“ er dann nicht eine Bestrafung, die über die Quarantäne in einem Gefängnis hinausgeht? Weil Wahl Wollen impliziert. Wenn jemand etwas willentlich tut, dann öffnet dies die Tür zu dem Gedanken, den Übeltäter vor oder nach der Quarantäne zu bestrafen, anstatt ihn einfach daran zu hinder etwas Schlechte zu tun. Zu sagen, daß jemand etwas aus freien Stücken tut, unterscheidet sich nicht von der Aussage, daß er nicht nur einfach krank ist. Es ist ein erstaunliches Schauspiel, einen Psychologen lesen zu müssen, der nahelegt, daß, da den Menschen „Informationen“ zur Verfügung stehen, sie aber anscheinend nicht „gelernt“ haben, anders zu sein, ihre Handlungen von daher eine „Wahl“ darstellen. Es ist, als würde man sagen: „Du wurdest mit Informationen versorgt, aber du hast dabei versagt zu lernen. Deshalb wählst du, schlecht zu sein.“ Lächerlich, naiv und oberflächlich.

 

zuletzt geändert
11.07.20

 

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