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Facebook-Einträge von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

Über das Drängen

David Holbrook, M.D.

 

[„Panzer“ ist eine psychologische und somatische Blockade des natürlichen Funktionierens in Form von psychischen Abwehrkräften und chronisch angespannten Muskeln, zusammen mit der Verlangsamung verschiedener physiologischer Funktionen als Reaktion auf Streß.]

Gepanzerte Logik: „Ich muß drängen, sonst wird nie etwas passieren. Ich muß mich anstrengen, um Dinge zu erledigen. Ich muß andere Leute dazu drängen, Dinge zu erledigen. Ich muß mich zur Arbeit drängen. Wenn ich mich nicht selbst dränge, werden die Leute mich nicht mögen und ich werde nicht erfolgreich sein. Ich muß die Leute dazu bringen, mich zu lieben. Ich muß mich sexuell anstrengen, sonst kann ich keine Leistung erbringen.“

Soweit man gepanzert ist, fühlt man sich so. Dies ist zumindest teilweise der Fall, da bei Vorhandensein eines psychologischen und somatischen Panzers jeder natürliche Impuls Schwierigkeiten hat, durch den Panzer zu dringen. Daher wird häufig davon ausgegangen, daß nichts passieren wird, wenn man nicht drängt. Gepanzerte Menschen sind sich absolut sicher, daß nichts geschehen wird, wenn sie nicht drängen, und sie stehen der Vorstellung mit Feindseligkeit und Verachtung gegenüber, daß man nicht drängen muß.

Ungepanzerte Logik (manchmal auch „funktionelle“ Logik genannt, weil sie versucht zu beschreiben, wie Dinge tatsächlich funktionieren): Alles geschieht tatsächlich spontan. Entweder es passiert oder nicht. Die Vorstellung, daß man drängen muß, ist eigentlich eine Illusion, zumindest teilweise. In gewisser Hinsicht kann es tatsächlich wahr sein, daß je weniger jemand drückt, desto wahrscheinlicher es ist, daß etwas spontan passiert. Die Wahrheit ist, daß oft, wenn man nach etwas drängt, es tatsächlich dazu führt, daß das Erstrebte verschwindet. Drängen ist ein Kennzeichen für gepanzertes Funktionieren und Denken.

Die gepanzerte Logik hat jedoch zumindest teilweise recht hinsichtlich des Drängens. Aufgrund der vorhandenen Panzers machen uns Dinge, die spontan passieren sollten, Angst. Wichtige Dinge zu erledigen, kann uns Angst machen. Verwundbarkeit kann bei uns Angst hervorrufen. Liebe kann bei uns Angst hervorrufen.

Manchmal müssen wir durch Angst hindurch drängen, um ein Ergebnis zu erzielen. Beim Vorhandensein von Panzer ist es zum Teil richtig, daß man sich manchmal drängen muß.

Generell würde ich sagen, daß das Drängen anderer normalerweise weniger produktiv ist und oft nach hinten losgeht. Aber in manchen Situationen ist es auch notwendig. Zum Beispiel muß ein Chef oft einen Mitarbeiter drängen, damit der Mitarbeiter maximal produktiv ist. Das hat aber Grenzen. Wenn man zu stark drängt, sinkt das Resultat und es kann tatsächlich zu einer geringeren Produktivität kommen, als wenn man weniger drängt.

Sogar die Verhaltenspsychologie erkennt diese Dinge. Zum Beispiel wissen Behavioristen, daß Belohnungen wirksamer sind als Bestrafungen, um ein bestimmtes Verhalten zu fördern.

Ein Beispiel dafür in zwischenmenschlichen Beziehungen ist, daß es oft effektiver ist, sehr sanft zu „ziehen“ als zu „drücken“. Beispielsweise kann man sanft dazu „einladen“ bzw. vorschlagen, daß die betreffende Person eine bestimmte Sache tut.

„Umgekehrte Psychologie“ funktioniert sehr oft: man bekommt, wonach man nicht gestrebt hat. Man kann beispielsweise jemandem sagen, daß man eine bestimmte Sache möchte, aber man will ihn nicht dazu drängen, dies zu tun. Die Antwort der anderen Person ist oft, daß sie den Wunsch verspürt, das zu tun, was du willst. Der Gegensatz dazu ist, auf etwas zu drängen. Unter diesen Umständen fühlt sich die andere Person oft bedrängt und übt Gegendruck aus oder zieht sich zurück.

 

 

zuletzt geändert
02.04.20

 

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