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Facebook-Einträge von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

Über Mut

David Holbrook, M.D.

 

Wut ist eine Form der Anhaftung (und, nein, ich bin kein Buddhist).

Feindseligkeit garantiert eine gestörte Beziehung zu einer anderen Person.

Warum also wütend oder feindselig sein? Es ist nur eine große Verschwendung.

Mein Punkt ist also, daß es Sinn machen würde, eines von zwei Dingen zu tun: entweder eine Diskussion über die Meinungsverschiedenheiten zu führen, die nicht voller Wut ist; oder auf der anderen Seite einfach davon abzusehen, sich auf etwas einzulassen. Ich denke, ersteres ist normalerweise besser, und wenn man seinen eigenen Ärger nicht beherrschen kann, ist letzteres die bessere Wahl.

Weiteratmen! Atme aus!

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Zu dieser Aussage wurde ich von dem Problem angeregt, daß Menschen nicht in der Lage sind, über Politik zu diskutieren, ohne wütend zu werden.

Ich habe auch in meiner klinischen Praxis gesehen, wie Menschen in ihrer Wut auf ein Familienmitglied in einer Weise feststecken, die den Patienten daran hindert, sich vorwärtszubewegen.

Es ist schwierig, dies zu beschreiben, da ich im allgemeinen in den allermeisten Fällen der Meinung bin, daß es gesund ist, über seine Wut in der Therapie zu sprechen und sie auszudrücken. Aber es gibt ein paar Leute, bei denen der Zorn auf eine bestimmte Person wirklich im Kopf steckt, und mir ist aufgefallen, daß sie die dysfunktionale Beziehung tatsächlich am Leben erhalten, indem sie ständig davon besessen sind; und sie bleiben in der Beziehung stecken, obwohl die Beziehung höchst dysfunktional und schädlich für sie ist.

Es hat damit zu tun, daß man den Versuch, die andere Person in der gestörten Beziehung dazu zu bringen, einen zu lieben, nicht aufgeben kann. Es ist in der Regel ein Elternteil oder ein Ex-Ehepartner oder Liebhaber. Der Patient erhält die gestörte Beziehung tatsächlich aufrecht, indem er sie nicht loslassen kann. Daher habe ich festgestellt, daß in diesen Szenarien die Wut des Patienten gegenüber dieser Person die dysfunktionale Beziehung tatsächlich am Leben erhält. Es ist eine Form der Anhaftung.

Man sieht dies bei Menschen, die ständig über bestimmte politische Persönlichkeiten nachdenken. Die politische Figur lebt im Kopf der Person! Und ihr Zorn gegenüber der politischen Figur ist tatsächlich eine Form der Anhaftung gegenüber dieser Figur, die sie angeblich hassen. Es ist eine Art sadomasochistischer Beziehung im Kopf der Person, die sie unbewußt verewigt.

Man sieht dies bei der Paranoia, aber es scheint auch bei Menschen zu passieren, die nicht besonders anfällig für Paranoia sind. In diesen Fällen kann es sein, daß die politische Figur in der Person etwas aus ihrer eigenen persönlichen Geschichte auslöst.

Nebenbei: Im Laufe der Jahre ist mir aufgefallen, daß Paranoia oft eine Art paradoxer Wunsch zu sein scheint: die paranoide Person ist besessen von Menschen, von denen die Person denkt, daß sie hinter ihr her sind oder sie kritisieren oder ähnliches. Mir ist oft in den Sinn gekommen, daß dies fast wie ein Wunsch nach Aufmerksamkeit wirkt. Es ist eine Form der Anhaftung, die vielleicht der eines wütenden Babys ähnelt, das nach seiner Mutter schreit, aber dessen Mutter niemals kommt. Vielleicht wird das Bild der abwesenden Mutter zu einem Bild des Verfolgtwerdens, weil das Kind seine eigene Wut auf die abwesende und lieblose Mutter projiziert.

Ich stelle mir den paranoid-schizophrenen Charakter oft als „das wütende Baby im Raum“ vor, das allein gelassen wurde, niemand da ist, es zu lieben, oder um es vor seinem Entsetzen und seiner Wut zu retten, allein und ungeliebt zu sein.

 

 

zuletzt geändert
17.03.20

 

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