W W W . O R G O N O M I E . J I M D O S I T E . C O M

 

Artikel von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

Orgonotische Funktionen in der klinischen Situation. Die bioenergetische Einheit von Psyche und Soma

David Holbrook, M.D.

 

„Ob wir nun Emotionen aus der charakterlichen Panzerung mittels ‚Charakteranalyse‘ oder ob wir sie aus der muskulären Panzerung durch ‚Vegetotherapie‘ mobil machen: Wir veranlassen in jedem dieser Fälle plasmatische Erregungen und Bewegungen. Was sich dabei bewegt, ist nichts anderes als Orgonenergie. (...) Wir arbeiten also in jedem Falle, gleichgültig ob wir Erinnerungen hervorrufen, Abwehrmechanismen auflösen oder muskuläre Spannungen beseitigen, stets an der Orgonenergie des Organismus.“ (Reich 1949, S. 472)

„(...) CHARAKTERSTRUKTUR (...) erscheint (…) als das Integral der Beziehungen zwischen dem orgonotischen Energiesystem und dem sensorisch-motorischen System, das die Aufgabe hat, die plasmatischen Strömungen wahrzunehmen, die Energieentladungen zu veranlassen und alle Energiefunktionen zu einem geordneten, totalen und einheitlichen funktionellen System, zu einem ‚orgonotischen System‘, zu koordinieren.“ (Reich 1949, S. 593f, Hervorhebung im Original)

„Reagierte eine charakterliche Bremsung auf psychische Beeinflussung nicht, so nahm ich die entsprechende körperliche Haltung zu Hilfe, und umgekehrt. Kam ich an eine störende körperlich-muskuläre Haltung schwer heran, so arbeitete ich an ihrem charakterlichen Ausdruck und konnte sie lockern.“ (Reich 1942, S. 203)

„Schon jetzt hört man verschiedentlich Leute sagen, Orgontherapie sei nichts anderes als ‚Arbeit mit den Händen an den Muskeln‘ oder ‚Atmenlassen‘; der leide an ‚Verspannungen‘ usw. (…) Es geht hier (…) um ein Verständnis dessen, wie sich aus kosmischer Orgonenergie eine plasmatische bewegliche Substanz gebildet hat und auf welche Weise kosmische orgonomische Funktionen im menschlichen Tier wirksam sind, in seinen Emotionen, in seinem Denken (...) [und in] den Wechselbeziehungen zwischen den emotionellen Prozessen in lebender Materie und dem Orgonenergiefeld (...), das sie umgibt. Darum geht es und nicht um Muskelspannungen.“ (Reich 1949, S. 581f, Hervorhebung im Original)

„Oft stellt sich die Frage, welchen psychischen oder somatischen Aspekt des Panzers der Therapeut zuerst angeht. Die Antwort hängt davon ab, welche Funktion sich am meisten an der Oberfläche befindet. Mit anderen Worten, mit welchem Aspekt des Panzers steht der Patient in Kontakt? Zur Illustration: wenn sich ein oraler Block als Angst vor dem Sprechen manifestiert, mobilisiert der Therapeut die mündlichen und zervikalen Segmente zuerst physisch (somatische Intervention) oder konzentriert er sich auf die Angst hinter der Hemmung (psychische Intervention)? So gestellt ist die Antwort klar: Die Behandlung der Angst des Patienten mobilisiert das Augensegment. Da die oberen Segmente vor den unteren Segmenten mobilisiert werden, muß sich der Therapeut in der Situation zunächst auf den psychischen Aspekt der Panzerung konzentrieren. Die Fokussierung auf die psychische bzw. somatische Abwehr des Patienten steigert die Energiebewegung, was zu einer Erhöhung der orgonotischen Ladung führt. Bei ausreichendem Ladungsaufbau erfolgt eine energetische Entladung in Form von emotionalem Ausdruck oder vegetativen Reaktionen (...).“ (Konia 1989, S. 243f, Hervorhebung im Original)

Die medizinische Orgontherapie arbeitet sowohl mit den psychischen als auch mit den somatischen Aspekten des Panzers (Konia 1989, S. 244):(1)

Es ist wichtig zu verstehen, daß sowohl psychische als auch somatische Funktionen jeweils alle oder fast alle Funktionen der Gleichung des Kontakts umfassen:

Nehmen wir zum Beispiel Sensation und Emotion, Funktionen im Bereich der Wahrnehmung, die eine wichtige Rolle bei biologischen Prozessen spielen.(2) Sowohl Sensation als auch Emotion haben psychische und somatische Aspekte, ebenso wie ihre verwandten Funktionen, Kreiselwelle und Pulsation, die im Bereich der Erregung zu finden sind:

„(...) Gedanken entstehen aus Sensationen und Emotionen, die heterogene Variationen der Wahrnehmungsfunktion sind (…). Durch die Wahrnehmung der radialen Bewegung der bioenergetischen Erregung erleben wir Emotionen.“ (Konia 2001, S. 81) - (Konia 2005, S. 65):

„Durch die Wahrnehmung der Längsbewegung der bioenergetischen Erregung erleben wir Sensationen.“ (Konia 2001, S. 81) - (Konia 2005, S. 66):

„(...) diese beiden Richtungen der Energiebewegung können im Gehirn als Gedanken wahrgenommen (‚gefühlt‘) werden.“ (Konia 2005, S. 66)

„Die radiale Bewegung, die eine Emotion hervorruft, ist pulsierend (Kern-Peripherie). Ihre motorischen und sensorischen Komponenten fließen durch das autonome Nervensystem (ANS). Die Längsbewegung erfolgt in Form der Kreiselwellen-Bewegung der Orgonenergie. Sie entspricht dem dorsalen Energiefluß durch die sensorischen Fasern des Zentralnervensystems (ZNS).“ (Konia 2001, S. 82)

Diese psychosomatisch-energetische Beziehung erstreckt sich sogar auf den gesellschaftspolitischen Bereich des Menschen:

„Die Klassifizierung eines Individuums im soziopolitischen Spektrum scheint zum großen Teil davon abhängig zu sein, welche radiale oder longitudinale Komponente des Denkens überwiegt. Bei Konservativen überwiegt die radiale Komponente (Emotion) gegenüber der longitudinalen Komponente (Sensation).“ (Konia 2001, S. 81f)

Pulsation und Kreiselwelle sind homogene Funktionen, die in einer Beziehung eines sich gegenseitig anziehenden Gegensatzes stehen, was bedeutet, daß sie sich gegenseitig verstärken, ähnlich wie sich der Kern (Pulsationsfunktion) und die Arme (Kreiselwellen-Funktion) eines Hurrikans gegenseitig verstärken. (Paraphrasierung von Konia 1998, S. 72f)

„(…) auf die Mobilisierung von Emotionen und Sensationen, die im Muskelpanzer enthalten sind, folgen oft Gedanken und Erinnerungen, die mit ihnen zusammenhängen. Die Wahrnehmung von Emotionen und Sensationen, die sich aus körperlichen Bewegungen ergeben, fördert den Denkprozeß.“ (Konia 2004a, S. 105)

Was in den obigen Abschnitten beschrieben wird, ist die Tatsache, daß nicht nur körperliche Funktionen energetisch begründet sind, sondern auch psychische Funktionen, wie etwa Gedanken. Die Eingriffe des Orgontherapeuten haben eine energetische Grundlage, unabhängig davon, ob der Therapeut verbale Techniken einsetzt, um den Charakter des Patienten zu bearbeiten, oder somatische Techniken, um den Körper des Patienten zu bearbeiten. Dies bedeutet, daß sowohl charakteranalytische als auch somatische Interventionen biophysikalischer Natur sind.

„(...) die Psyche (‚Geist‘) ist identisch mit den einheitlichen Energiefunktionen des Organismus im Bereich der Wahrnehmung (...) das Soma („Körper“) entspricht den lokalen bzw. Teilfunktionen des Organismus.“ (Konia 1998, S. 74f, Hervorhebungen im Original)

„Durch die Wahrnehmung von Erregung entsteht Kontakt.“ (Konia 2004a, S. 100)

Sowohl psychische als auch somatische Funktionen haben jeweils Wahrnehmungs- und Erregungsaspekte:

„Die Wahrnehmungs- und Erregungsfunktionen (...) koexistieren mit den Funktionen, die unter dem Begriff Psyche (Gesamtfunktion) und Soma (Teilfunktionen) des Organismus zusammengefaßt werden. Psychische und somatische Funktionen beruhen auf den Funktionen Wahrnehmung und Erregung. Dementsprechend, ist es möglich, zwischen psychischem Kontakt und somatischem Kontakt als distinkte Funktionen zu unterscheiden, die zu den Gesamt- bzw. Teilfunktionen des Organismus gehören.“ (Konia 1998, S. 75, Hervorhebungen im Original).

Die Pathophysiologie der somatischen Biopathien beruht auf einer Störung des Kontakts, bei dem die Teilfunktionen des Biosystems beteiligt sind. Die Psychopathophysiologie der psychischen Biopathien beruht auf einer Störung des Kontakts bei dem der Gesamtorganismus beteiligt ist.“ (Konia 1998, S. 77, Hervorhebungen im Original)

„Somatische Kontaktlosigkeit tritt bei somatischen Biopathien auf (...)“ (Konia 2004b, S. 96):

„In diesem Zustand gibt es entweder keine Erregung oder eine Blockade des Perzeptors (Rezeptorstelle). Infolgedessen ist das betroffene Organ vom gesamt-organismischen Funktionieren abgesperrt. Das Fehlen einer organismischen Integration führt zum Krankheitszustand.“ (Konia 2004b, S. 96f)

„Die Funktion des Orgontherapeuten besteht darin, dem Patienten zu helfen, psychischen und somatischen Kontakt mit sich selbst herzustellen. Sobald es einen Kontakt gibt, kann gesundes orgonotisches Strömen auftreten.

Strömungen zeigen das Vorhandensein von Kontakt zwischen Wahrnehmungs- und Erregungsfunktionen an. Ohne Strömungen (...) werden Gedankenprozesse (...) in Richtung Mechanismus oder Mystizismus verzerrt.“ (Konia 1998, S. 71)

Wie in den einleitenden Abschnitten dieses Artikels beschrieben, kann der energetische Prozeß des Kontaktes durch verbale oder nonverbale Eingriffe des Therapeuten erleichtert werden, der entweder im psychischen oder im somatischen Bereich arbeitet. Worte, insbesondere die kontaktbehafteten Worte eines qualifizierten medizinischen Orgontherapeuten, der die orgonotischen Funktionen sowohl bei sich selbst als auch beim Patienten kennt und mit ihnen in Kontakt steht, sind bioenergetisch aktiv und können daher sowohl psychische als auch somatische Wirkungen haben.

„(...) Worte entspringen der Wahrnehmung von Organempfindungen.“ (Konia 1983, S. 233)

Der kontaktvolle Gebrauch von Wörtern in der medizinischen Orgontherapie wird manchmal mit dem Phänomen der intellektuellen Abwehr verwechselt:

„Die vulgäre Meinung nimmt an, daß die Funktion des menschlichen Verstandes (…) absolut dem Affekt [entgegengesetzt ist] (…). Dabei wird zweierlei übersehen: daß erstens die intellektuelle Funktion selbst eine vegetative Tätigkeit ist, daß es zweitens eine Gefühlsbetonung der Verstandestätigkeit gibt, die keiner bloß affektiven Regung an Intensität nachsteht (...) Der Intellekt kann also in den beiden grundsätzlichen Richtungen des psychischen Apparates, hin zur Welt und weg von der Welt, tätig sein; er kann ebenso mit lebhaftestem Affekt gleichgerichtet korrekt funktionieren wie auch sich dem Affekt kritisch gegenüberstellen. Zwischen Intellekt und Affekt besteht keine mechanische, absolut gegensätzliche, sondern wieder eine dialektische Funktionsbeziehung.“ (Reich 1949, S. 412f)

Der medizinische Orgontherapeut nutzt seinen „orgonotischen Sinn“, um sich selbst und den Patienten wahrzunehmen:

Die Organempfindung oder ‚orgonotische Empfindung‘ ist ein wahrer SECHSTER SINNE. In gesunden Menschen gibt es außer den Fähigkeiten des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens und Tastens unverkennbar noch einen Sinn der Organfunktionen, sozusagen einen ORGONOTISCHEN SINN (...) orgonotische(…) Empfindungen und Organwahrnehmungen (scheinen) einen großen Teil dessen darzustellen, was als ICH oder SELBST bezeichnet wird (...).“ (Reich 1949, S. 591, Hervorhebung im Original)

„Psychischer Kontakt tritt auf, wenn die orgonotische Strömung auftritt, das CFP der gepaarten Variationen psychische Wahrnehmung und psychische Erregung.“ (Konia 1998, S. 75):

„Somatischer Kontakt basiert auf orgonotischer Strömung bei lokalen bzw. Teilfunktionen, dem CFP der gepaarten Variationen somatische Wahrnehmung und somatische Erregung.“ (Konia 1998, S. 76):

„Orgonotischer Kontakt ergibt sich aus der Verschmelzung von Wahrnehmendem [Perzeptor], der Wahrnehmungsfunktion, und Erreger, der Erregungsfunktion.“ (Konia 2008, S. 30):

„Diese allgemeine Fusionsoperation ist die Grundlage jeder lebenden Funktion. Sie ist die Grundlage sowohl des psychischen als auch des somatischen Kontakts.“ (Konia 2008, S. 30):

(Konia 2008, S. 33):

 

Literatur

  • Harman R 2006: Introduction to Orgonotic Contact Part I. Journal of Orgonomy 40(1):118-125
  • Konia C 1983: For The Record: Orgonotic Functions of the Brain, Part III. Journal of Orgonomy 17(1): 101-112
  • Konia C 1989: Orgone Therapy Part IX: The Application of Functional Thinking in Medical Practice. Journal of Orgonomy 23(2):237-247
  • Konia C 1998: Orgonotic Contact Part I. Journal of Orgonomy 32(1):61-81
  • Konia C 2001: The Biophysical Basis of Sociopolitical Thought. Journal of Orgonomy 35(1):80-87
  • Konia C 2004a: Applied Orgonometry II: The Origin and Function of Thought. Journal of Orgonomy 38(1):100-111
  • Konia C 2004b: Applied Orgonometry Part III: Armored Thought. Journal of Orgonomy 38(2):93-100
  • Konia C 2005: Applied Orgonometry IV: Mysticism. Journal of Orgonomy 39(2):60-69
  • Konia C 2008: Orgonotic Contact IV: The Stream of Life (Part 1). Journal of Orgonomy 42(1):26-35
  • Reich W 1942: Die Funktion des Orgasmus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1972
  • Reich W 1949: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989

 


Anmerkungen

(1) Nach Konias Schriften über Psyche und Soma in den 1980er, 1990er und 2000er Jahren wurde von Konia und Harman der Status von Psyche und Soma als Funktionen in Frage gestellt: „Es stellt sich heraus, daß Psyche und Soma weder Strukturen noch Funktionen sind. Psychische Prozesse sind solche, die den gesamten Organismus betreffen, und somatische Prozesse sind solche, die Teile betreffen.“ (Harman 2006, S. 123f, Hervorhebung im Original) Da diese beiden Sätze der einzige veröffentlichte Kommentar (von dem ich weiß) zu dieser Frage sind, und da Konias bisher veröffentlichte Schriften Psyche und Soma als Funktionen bezeichnen, werde ich in diesem Artikel fortfahren, sie als Funktionen zu bezeichnen.

(2) „Mit Emotion und Sensation identische Funktionen treten auf allen Stufen der biologischen Integration auf, von der einfachsten bis zur komplexesten Ebene.“ (Konia 2001, S. 81)

 

 

zuletzt geändert
18.02.20

 

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