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Facebook-Einträge von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

Liebe kann die Emotionelle Pest nicht heilen

David Holbrook, M.D.

 

Ich bin heute auf einen Slogan gestoßen: „Liebe ist immer die Antwort.“ Das ist großartig, aber ich vertrete eine etwas modifizierte Ansicht: ich würde sagen, daß Liebe immer die Antwort ist – bis sie nicht die Antwort ist! Vielleicht würde ich stattdessen sagen, daß das Verstehen von Macht und der menschlichen Natur einschließlich ihrer Mängel stets die Antwort ist.

Viele Amerikaner befinden sich in einer Art von manischem Zustand, der sich einer Psychose nähert und manchmal zu einer Psychose wird („Psychose“ bedeutet Leugnung der Realität). Die psychotische Manie stellt sich in etwa so dar: Man glaubt, es sollten keinerlei Grenzen zwischen Menschen bzw. Nationen bestehen. Jeder sollte alles teilen, unabhängig davon, ob die Empfänger etwas sozial Konstruktives unternehmen, um das zu verdienen, was sie erhalten. Menschen, die gegen das Gesetz verstoßen, sollten belohnt werden oder zumindest vor Konsequenzen bewahrt werden. Exsträflinge sollten wählen dürfen. Illegale Einwanderer sollten wählen dürfen.

Ohne Gesetze und Grenzen hat man Anarchie. Anarchie ist nicht „Liebe“. Anarchie ist ein Zustand, bei dem alles, was am Menschentier schlimm ist, hemmungslos entfesselt wird. Menschen sind nicht perfekt – muß ich uns wirklich daran erinnern? Der Mensch braucht Gesetze, um seine niederen Impulse zurückzuhalten.

Was ist mit Privateigentum? Es gibt keine Zivilisation ohne Privateigentum. Ohne Privateigentum kommt es zur Anarchie. So ist es halt.

Die Leute sprechen von „Kapitalismus“, als ob das Wort etwas bedeutet. Es bedeutet nichts! Jedes politökonomische System ist „kapitalistisch“ in dem Sinne, daß jedes ökonomische System von der Konzentration des Kapitals abhängt. Tatsächlich ist Zivilisation ohne die Konzentration des Kapitals unmöglich. Der einzige Unterschied zwischen den verschiedenen Wirtschaftssystemen besteht in dem Ausmaß, in dem die Kapitalkonzentration in staatlichen Strukturen oder in der Privatwirtschaft auftritt. Überall dort, wo Kapital konzentriert wird, sei es im Privatsektor oder im öffentlichen Sektor, gibt es eine Tendenz zur Korruption, denn so ist der Mensch. Die Geschichte hat dies immer und immer wieder gezeigt. Die Geschichte hat auch gezeigt, daß Nationen und die Weltwirtschaft immer dann besser abschneiden, wenn ein sehr großer Teil des Kapitals im Privatsektor konzentriert ist und dort zumindest teilweise uneingeschränkt agieren kann. Natürlich muß es Beschränkungen geben, aber der Markt neigt (wenn auch nicht immer) dazu, effizienter zu arbeiten als starre und mächtige politische Strukturen. Ein Großteil der Regierungsstrukturen unterliegt selbst in einer Demokratie nicht direkt demokratischer Kontrolle. Dies steht meistens im Gegensatz zum Privatsektor, wo der Markt dazu neigt, auf die Impulse und Wünsche der Allgemeinheit zu reagieren. Die meisten Regierungsangestellten können nicht entlassen werden. Dies steht im Gegensatz zum Privatsektor, obwohl die Leute an der Spitze der Unternehmen über Seilschaften verfügen, die es praktisch unmöglich machen, daß sie wirklich gefeuert werden, denn sie werden von Unternehmen zu Unternehmen weitergereicht.

Grundsätzlich kann Bürokratie im öffentlichen oder privaten Sektor sehr problematisch sein. Sie ist tendenziell starr, widersetzt sich Veränderungen und ist darauf ausgerichtet, die eigene Macht auf Kosten der Durchführung ihrer rationalen und sozial positiven Funktionen auszubauen.

Die wirtschaftliche Freiheit ist tendenziell ein Gleichmacher. Sie ist im Fluß. Die Daten zeigen, je freier die Wirtschaft, desto stärker die Tendenz von Menschen, zwischen unterschiedlichen Einkommensklassen auf und abzusteigen. Auch ist Armut in Gesellschaften nicht so extrem, in denen ein freier Markt mit einem demokratischen politischen System verbunden ist.

Jedes System, sei es ein lebendiges System oder eine politische oder gesellschaftliche Struktur, hat den Impuls zu wachsen und wird weiter wachsen, wenn es nicht auf irgendeine Art von Grenze für sein Wachstum stößt. Macht, sei sie wirtschaftlich oder politisch, hat die Tendenz, sich immer mehr zu konzentrieren, unabhängig davon, ob sie den Bedürfnissen der Gesamtgesellschaft dient oder nicht. In dieser Art von Umgebung gedeiht die Korruption. Eine demokratische Republik wie die unsere ist durch ihre Verfassung so strukturiert, daß versucht wird, die Machtkonzentration in dem einen oder dem anderen Sektor der Gesellschaft zu verhindern, einschließlich bei der Mehrheit. Die Kräfte des freien Marktes lassen ebenfalls in gewissen Grenzen eine Veränderung und ein Eingehen auf den Willen der Menschen zu. Die demokratische Staatsform der Regierung und eine freie Marktwirtschaft gehen daher Hand in Hand. Man kann kaum das eine ohne das andere haben.

Regierungsstrukturen können krank werden, aber auch Konzerne und andere Unternehmen können krank werden. In der Tat sind sie auch oft ineffizient. Man würde denken, sie seien effizient. Man würde denken, daß das Gewinnmotiv und die Marktkräfte sie dazu brächten. Aber die Wahrheit ist, daß Menschen fehlerhaft sind. Die Pathologie der Menschen, die den Konzern bzw. das Unternehmen führen, kann diese daher oft vollständig zerstören. Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, aber es passiert. Ich habe viele Patienten, die in Unternehmen Positionen von mehr oder weniger Macht innehatten, und ich habe solche Dinge immer und immer wieder gesehen. Die Pathologie der Mitglieder des Unternehmens, in der Regel der Personen an der Spitze, kann das Unternehmen auf irrationale Weise arbeiten lassen und in den Ruin treiben.

Unternehmen und Regierungen neigen dazu sich zu verbrüdern. Das ist keine Sache von Links oder Rechts, es ist „Vetternwirtschaft“ (crony capitalism), eine Perversion, die in einem freien Markt aufgrund der fehlerhaften Natur der Menschen auftreten kann.

Grundsätzlich ist die Lust nach Macht, sei es im öffentlichen oder im privaten Sektor, allgegenwärtig und erfordert Mechanismen, um sie einzudämmen.

Die dunkle Seite der menschlichen Natur muß auf irgendeine Weise angegangen werden. Sie muß begrenzt werden und ihr muß entgegengetreten werden. Der Emotionellen Pest mit „Liebe“ entgegenzutreten, funktioniert nicht. Verdorbenes Fleisch ruiniert frisches Fleisch. Man sieht nie das Gegenteil. Man sieht nie, wie frisches Fleisch verdorbenes Fleisch frisch macht.

Die Emotionelle Pest muß erkannt, sie muß angegangen, sie muß bloßgestellt, wenn nötig mit Gewalt bekämpft werden. Sie muß eingedämmt, sequestriert und beerdigt werden. Nicht geliebt.

Kann die Liebe wütende und bittere und gefühllose Menschen entwaffnen? Ja, definitiv, manchmal. Aber es gibt einen Punkt ohne Wiederkehr. Und wenn man diesen nicht wahrnimmt, bedeutet das, daß man nunmehr von der Pest rekrutiert worden ist, um sich selbst und alles Gute zu zerstören. Und das ist nicht „Liebe“. Das ist sich auf die Seite der Pest zu stellen.

 

Nachbemerkung: Es gibt religiöse Lehren, philosophische Lehren und psychologische Theorien, die im Laufe der Geschichte versucht haben, das menschliche Übel zu verstehen. Ich finde, daß politische Theorien bei diesem Unterfangen ziemlich kläglich versagen. Ich glaube, daß die Verfassung der Vereinigten Staaten ein gewisses Verständnis für das politische Übel der Menschheit beinhaltet und daß sie versucht hat, ein politisches System aufzubauen, das dagegen gefeit ist.

Ich halte es für äußerst wichtig, dem Gesetz zu folgen. Sobald wir anfangen, die Gesetze nicht zu befolgen, geraten wir in große Schwierigkeiten.

Ebenso wichtig ist die gleiche Anwendung des Gesetzes. Wenn die eine oder die andere Seite das Gefühl hat, daß es einen doppelten Standard gibt, wird die Gesellschaft zerfallen.

 

 

zuletzt geändert
22.09.19

 

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