W W W . O R G O N O M I E . J I M D O S I T E . C O M

 

Facebook-Einträge von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

„Homo politicus“

David Holbrook, M.D.

 

I

Was man m.E. bei der Politik verstehen muß, ist, daß wir Menschen von Natur aus politische Tiere sind. Wir sind von Natur her Stammeswesen, soziale Wesen. Beispielsweise stört es uns, wenn ein völlig Fremder auf den Straßen von New York die Stirn runzelt, wenn wir gerade an ihm vorbeigehen. Warum? Wir werden ihn nie wieder sehen. Niemand anderes hat sein Stirnrunzeln gesehen. Es wird keinen Einfluß auf unseren sozialen Status in der Gemeinschaft haben. Warum kümmert es uns dann? Weil wir durch und durch soziale Tiere sind und in der Politik geht es nur um die Natur unserer sozialen Beziehungen in der weiteren Gemeinschaft. Wir sind “Homo politicus”. Deshalb ist es für uns so schwierig, sich über Politik zu unterhalten. Unsere politischen Überzeugungen sind zutiefst persönlich und eng verbunden mit unserer Sicht von uns selbst und der Person, die wir sein wollen, und wie wir möchten, daß andere zu uns in Beziehung stehen. Es fühlt sich bedrohlich an, wenn wir anderen begegnen, die eine andere Art von politischer Psychologie haben, und wir werden bösartig. Aber um als eine in demokratischen Gesellschaften lebende Spezies überleben zu können, müssen wir das tiefere Bild sehen; die Dinge, die wir gemeinsam haben. Wir müssen politische Meinungsunterschiede tolerieren, die die tiefsten Aspekte unserer individuellen Struktur betreffen. Es gibt wissenschaftliche Belege dafür (siehe zum Beispiel: Our Political Nature: The Evolutionary Origins Of What Divides Us von Avi Tuschman), daß die politische Einstellung weitgehend oder zumindest teilweise angeboren ist und daß unterschiedliche angeborene politische Überzeugungen im Genpool wahrscheinlich eine Überlebensfunktion haben für unsere Spezies. Wir müssen also begreifen, daß es unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Ansichten gibt, und auch wenn ihre Ansichten gewaltig von den unseren abweichen können, müssen wir dies wohl oder übel tolerieren und in einer durch und durch demokratischen Weise unsere Differenzen aufarbeiten, was bedeutet, daß wir uns weder jetzt noch jemals vollkommen durchsetzen können. Aber wir müssen damit leben können; das breitere Bild sehen. Ist Politik persönlich? Ja. Muß jeder das Ebenbild von uns selbst sein? Nein. Erinnere dich, was mit Narziß passiert ist, als er zu sehr darauf bedacht war, sein eigenes Spiegelbild im Teich zu betrachten!

 

 

II

Ich hatte einen Gedanken, dem ich ein paar Tage nachhing. Es ist eine Art halbgeformter Gedanke, und ich bin mir nicht ganz sicher, wohin er führt oder wieviel Sinn er macht, aber ich werde versuchen, ihn zu artikulieren und auszuarbeiten.

Ich habe darüber nachgedacht, wie persönlich und emotional Politik ist. Sie hat ein solches psychologisches Aroma. Mich erinnert es an andere zwischenmenschliche Verhandlungen oder Konflikte, die man mit anderen haben kann, insbesondere in sehr engen Beziehungen wie Liebesbeziehungen oder familiären Beziehungen. Sie erzeugt diese Art von emotionaler Wärme, obwohl ich tatsächlich sagen würde, daß Politik anscheinend eine noch tiefere emotionale Wärme erzeugt als andere Arten von Beziehung.

Immerhin, Politik IST eine Beziehung! Es geht um die Regeln, wie wir alle miteinander umgehen. Es macht also Sinn, daß es an die Art von Gefühlen gemahnt, die Menschen in anderen Beziehungen haben.

Kennst du das Gefühl, das man in einer Beziehung hat, in der du frustriert bist und du spürst, das Gegenüber versteht das nicht, so daß du nicht einmal versuchen möchtest mit ihm zu sprechen? Das passiert viel in der Politik. Und das fiel mir auf: es ist, als wollten wir in der Politik, daß andere Menschen genau so sind wie wir! Es ist, als ob wir nicht tolerieren könnten, daß es andere Menschen gibt, die sich von uns unterscheiden! Deshalb wollen wir sie überwältigen oder dazu bringen, genauso zu sein wie wir, anstatt uns mit ihnen zu unterhalten, zu diskutieren. Und das ist Demokratie: eine Diskussion, bei der wir unsere Differenzen tolerieren und versuchen, sie in einem System durchzuarbeiten, das viele, viele Checks and Balances enthält, die sicherstellen, daß keine Seite jemals ganz gewinnt. Das Ziel ist nicht wirklich zu gewinnen, das Ziel ist eine ständige Diskussion und respektvolle Verhandlungen. Und das gilt auch für individuelle Beziehungen! Und wenn die Menschen beschließen, diese Diskussion nicht zu führen, frustriert sind und nur ihren Willen durchsetzen wollen, fangen die Probleme an. Weil es an diesem Punkt aufhört eine Beziehung zu sein, wird sie zu etwas anderem. Es hört auf eine Demokratie zu sein und wird zusehends wie eine Diktatur auf der einen oder anderen Seite. Stell dir vor, daß das in einer zwischenmenschlichen Beziehung funktionieren soll! Ich denke, auf allen Seiten sollten die Menschen diesem Impuls widerstehen.

Politik ist zwischenmenschlich. Wir reagieren auf die Persönlichkeit der Politiker und auf ihre politischen Positionen, die ebenfalls Vorstellungen darüber darstellen, wie wir unsere Beziehungen auf gesellschaftlicher und intergesellschaftlicher Ebene gestalten sollen. Viele unserer Reaktionen auf allen Ebenen sind Reaktionen aus dem Bauch heraus.

Mir ist klar, daß in der Politik sehr mächtige Kräfte am Werk sind. Es mag daher etwas naiv erscheinen, die Dinge in diese zwischenmenschliche Begrifflichkeit einzuordnen. Ich spreche aber zumindest darüber, wie man all diese mächtigen Kräfte bewältigen kann. Es ist eine Frage der zwischenmenschlichen/politischen Taktik. Wie soll das politische Gespräch verlaufen? Und das war die Frage, vor der die Gestalter unserer Verfassung standen. Sie versuchten, ein System zu entwickeln, das ein beständiges Gespräch und beständiges Aushandeln ermöglichen würde. Und deshalb ging es beim ersten Verfassungszusatz um die freie Meinungsäußerung: die Freiheit, sich zu unterhalten! Wir sollten also besonders auf der Hut sein gegen alles, was offen oder subtil die freie Meinungsäußerung behindert. Das ist das Fundament der Freiheit, und ohne sie gibt es nur eine Diktatur des einen oder des anderen politischen Flügels. Es spielt keine Rolle, wie die Diktatur rationalisiert wird. Zum Beispiel nicht beleidigen zu wollen oder beleidigt zu werden, ist kein legitimer Grund die freie Rede einzuschränken. Niemals. Sonnenlicht ist das beste Antiseptikum, und ohne freie Rede gibt es kein Sonnenlicht.

Reine Demokratie ist ebenfalls eine Form der Diktatur. Die Verfassungsväter waren sich dessen bewußt und wollten sie vermeiden. Sie wollten einige Schutzmechanismen für die Minderheit einbauen, um die Macht der Mehrheit auszugleichen, einschließlich des Rechts der kleineren und/oder mehr ländlichen Staaten, nicht vollständig von den größeren und/oder mehr urbanen Staaten regiert zu werden. So schufen sie das Wahlkollegium und den Senat als Gegengewicht zum Parlament. Auch betrachteten sie unsere Nation als einen Staatenbund und nicht als ein einheitliches Gebilde, dominiert vom Bund. Es wird oft behauptet, daß der einzige Beweggrund dafür darin bestand, daß die Südstaaten die Sklaverei beibehalten konnten, aber diese Ansicht ist falsch. Die Rechte der Bundesstaaten sollen sicherstellen, daß die Regierung so lokal wie möglich ist. Dies stellt ein gewisses Maß an Gegengewicht zu der Notwendigkeit zentraler Regierungsstrukturen dar. Es trägt auch dazu bei, eine persönlichere und rechenschaftspflichtige Beziehung zwischen den einzelnen Bürgern und ihren Regierungsstrukturen zu gewährleisten – weniger eine Diktatur zu sein.

Dementsprechend geht es auch hier um Beziehungen, insbesondere um die Art der Beziehung zwischen Individuum und Kollektiv, und zwischen kleineren gesellschaftlichen Einheiten und größeren gesellschaftlichen Einheiten. Der Einzelne hat bestimmte Rechte, die ihm von der Mehrheit nicht weggenommen werden können und nicht weggenommen werden sollten. Jede Stimme hat ihren Platz und sollte mit Respekt und Zurückhaltung gehört werden, auch wenn wir dieser Meinung mit Nachdruck nicht zustimmen oder sie als beleidigend empfinden. Denn das ist es, was Menschen in erfolgreichen Beziehungen füreinander tun.

 

Psychiater sein versus das Debattieren politischer Themen auf Facebook

Ich hatte heute Abend einen ziemlich gereizten Austausch mit einem Facebook-Freund. An einem Punkt äußerte er sich besorgt darüber, wie ich wohl als Psychiater sein würde. Hier, was ich daraufhin geschrieben habe:

Was mich als Psychiater im Gegensatz zu mich auf Facebook betrifft: Psychiatrische Arbeit ist keine Polemik; sie ist nicht politisch; ich bin es, der den Menschen zuhört und versucht, ihnen zu helfen, dorthin zu gehen, wo sie hinwollen, ohne zu urteilen, ohne daß ich ihnen meine Meinung aufdränge oder ihnen auch nur meine Meinung sage, denn es ist ihre Chance sich selbst auszudrücken, nicht meine. Ich respektiere ihr Menschsein, egal welche Geschmacksrichtung sie aufweist, es macht für mich keinen Unterschied, weil wir nicht wegen Politik beieinander sind.

Eine politische Diskussion auf Facebook ist ganz ganz anders. Hier ist es meine Chance, Dinge über Politik auszudrücken. Ich bin nicht hier, um jemandem zu dienen, wie ich es in meiner Praxis tue. In meiner Praxis ist die einzige Wahrheit, die wirklich zählt, die Wahrheit des Patienten. Es geht nicht um mich, und ich versuche nicht, in irgendeiner Weise irgendetwas irgendwie aufzudrängen. Und sicher kommt die Politik nicht zur Sprache, es sei denn, ein Patient möchte sich darüber auslassen. Wenn dessen Meinung anders ist als meine, dann sage ich nichts, außer Mitgefühl für seine Notlage zu zeigen, denn der Raum der psychischen Gesundheit ist für mich kein Raum, in dem ich meine Ansichten ausdrücken kann, und alles, was mich in diesem Raum interessiert, ist das Menschsein des Patienten. Es ist ein sicherer Ort für ihn, ein unvoreingenommener Ort mit bedingungsloser „Liebe“.

Als Psychiater bin ich geduldig, fürsorglich, freundlich und verständnisvoll, denn das ist meine Aufgabe als Psychiater. So bin ich auch in meinem persönlichen Leben.

Ich verstehe, daß Sie unter diesen Umständen vielleicht nicht in der Lage sind, diese Dinge an mir wahrzunehmen – obwohl ich glaube, daß Sie sie in meinen Beiträgen der letzten Jahre bis etwa März dieses Jahres sehen können, als ich begann, auf andere Weise in die „Arena“ einzusteigen. In der „Arena“ kämpfen wir im Bereich gewalttätiger Meinungsverschiedenheiten.

Ich habe eine Seite an mir, die rauflustig ist. Ich bin aber sicher, wenn wir uns von Angesicht zu Angesicht unterhalten würden, wäre die Lage ganz anders. Wahrscheinlich würde ich, wenn es um Politik ginge, Sie im Grunde genommen nur bei Laune halten und meine Ansichten für mich behalten.

Die psychiatrische Situation unterscheidet sich von einer „öffentlicher Ort“-Situation wie Facebook. Es gibt weltbewegende Dinge, über die wir hier diskutieren. Dies ist und sollte kein sicherer Ort sein, an dem den Menschen nur ein Spiegel vorgehalten wird. Dies ist ein Ort, an dem man offen und direkt sprechen kann.

Ich habe nichts gegen Meinungsverschiedenheiten! Ich verlange oder bitte nicht andere, es zu unterlassen ihre Meinung zu äußern, und ich dulde nicht, daß jemand andeutet, ich solle meine Meinung nicht äußern.

Weitere Ausführungen über meine Art, auf Facebook zu posten: Wenn ich mich hier äußere, habe ich leider das Gefühl, daß ich die Wahl zwischen Offenheit und Höflichkeit habe. Im Alltag ist Höflichkeit, oder irgendeine Form davon, wahrscheinlich das wichtigste, was ich an anderen schätze und selbst praktiziere. Taktgefühl. Aber in diesem Forum möchte ich... ich bin nicht sicher, welches Wort ich verwenden soll: prägnant sein. Es tut mir leid, wenn ich aggressiv bin. Aber ich versuche hier nicht taktvoll zu sein. Ich versuche, die Wahrheit so auszusprechen, wie ich sie verstehe.

Auch hier habe ich das Gefühl, daß ich, um meine Ansichten in diesem Medium auf ehrliche und offene Weise zu äußern, die Betonung fahrenlassen muß, die ich normalerweise darauf lege, sanft, geduldig, tolerant, verständnisvoll, taktvoll usw. zu sein. Ich versuche, all diese Tugenden hier so gut wie möglich zu praktizieren, aber ohne Kompromisse hinsichtlich Offenheit und Direktheit einzugehen. So gehe ich nicht in der dreidimensionalen Wirklichkeit vor. Dreidimensionale Gespräche haben eine andere Qualität. In gewisser Weise geht es bei jenem Medium mehr um Zuhören als um Reden. Das ist es, was ich als Arbeit mache, es ist mein Beruf, und auch das, was ich im Alltag praktiziere. Aber dies hier ist ein Ort, an dem ich mich auf ungeschminkte, rohe und direkte Weise ausdrücken kann. Eine Nebenbeschäftigung. Es ist etwas, von dem ich fühle, daß ich es tun muß.

Mein Ziel ist es, genau das zu sagen, was ich denke, auch oder gerade dann, wenn ich erwarte, daß es als massiv politisch inkorrekt empfunden wird. Zumindest bin ich ehrlich.

Ich bin auch bereit, das Risiko einzugehen, von vielen massiv mißdeutet, verzerrt und mißverstanden zu werden, vor allem von denen, die oberflächlich denken und nicht tief in die Dinge eindringen, nicht unter die Decke schauen, nicht ein wenig darüber nachdenken und einen zweiten Blick darauf werfen. Ich weiß, das klingt arrogant, aber so sehe ich das.

Ich setze ich mich bereitwillig der Pest aus. In gewisser Weise versuche ich, mich zu immunisieren, meine Kraft aufzubauen. Ich denke, wenn man ehrlich sein will, muß man abgehärtet, beweglich und furchtlos sein.

Ich bewundere Direktheit, auch und vielleicht gerade bei jemandem, mit dem ich nicht einverstanden bin.

 

Der Ton

Der Tonfall vermittelt oft eine wichtigere Botschaft als der eigentliche verbale Inhalt des Ausgesprochenen. Dasselbe gilt für den „Ton“ des schriftlichen Ausdrucks.

Wenn z.B. der Ton eines Facebook-Postings schrill ist, weiß ich bereits, bevor ich den Beitrag lese, daß es erheblichen Grund geben wird, an der Objektivität dessen, was ausgedrückt werden soll, zu zweifeln, weil die Wahrheit nicht schrill ausgedrückt werden muß.

Menschen, deren Meinungen auf der Suche nach der Wahrheit und auf Fakten beruhen, brauchen nicht schrill zu werden, und sie brauchen nicht nach moralischer Zustimmung heischen. Sie berichten einfach die Fakten so, wie sie sie verstehen, und das reicht. Es ist nicht nötig, subtil, oder nicht so subtil, zu versuchen, die andere Person dazu zu bringen zuzustimmen. Tatsächlich steht jede Art von explizitem oder implizitem Zwang im Widerspruch zur Wahrheitssuche. Wenn es also Beweise für einen solchen Zwang gibt, weiß ich von Anfang an, daß der Autor eigentlich nicht daran interessiert ist, die Wahrheit herauszufinden.

In einer sachlichen und objektiven Diskussion, in der es um die Suche nach der Wahrheit geht, gibt es keinen Platz für das plakative Zurschaustellen der eigenen Tugendhaftigkeit. Wenn dein Standpunkt auf Tatsachen gegründet ist, hat er eine inhärente Moral, denn wenn das Leben gelebt und Maßnahmen nach den Vorgaben der Wirklichkeit erfolgen, ist das Ergebnis für alle gut und daher moralisch. Das tatsächliche Leben liefert die Beweise, so daß sie nicht mit Taktiken vorangetrieben werden müssen, die darauf abzielen, den anderen moralisch einzuschüchtern, indem man ihm unterstellt, er sei „böse“, weil er einen anderen Standpunkt vertritt.

Wenn Leute zum Beispiel Dinge schreiben wie „Wie können Sie es wagen!“, weiß ich bereits, daß deren Standpunkt fehlerhaft sein wird, bevor ich ihn überhaupt gelesen habe. Der Tonfall verrät das.

Dasselbe gilt für den Tonfall des „Beleidigtseins“. Diese Haltung des Beleidigtseins ist eine passiv-aggressive, abwehrende und unsichere Haltung. Sie soll die andere Person einschüchtern und sie davon abhalten, ihre Meinung zu äußern. Dies ist demnach ein weiteres Beispiel für eine Art „Tonfall“, bei dem ich schon vor dem Lesen des Geschriebenen weiß, daß der faktische Inhalt wahrscheinlich fehlerhaft ist.

Ein weiteres Beispiel für einen Ton oder eine Haltung, die einen Hinweis auf die Nichtobjektivität des Redners oder Verfassers geben, ist die Behauptung, daß eine bestimmte Meinung rassistisch sei, wenn in der Meinung kein offensichtlicher Rassismus enthalten ist. Theorien wie der „systemische Rassismus“ und die marxistische Klassenanalyse beinhalten die Behauptung, daß wir unbewußt durch Dinge wie Rasse und Klasse motiviert sind. Die Person, die behauptet, daß etwas rassistisch oder durch Gier motiviert sei, muß also nicht tatsächlich beweisen, daß die andere Person rassistisch oder durch Klasseninteressen motiviert ist. Sie muß lediglich die andere Person beschuldigen, aus solchen vermeintlichen Motiven unmoralisch zu sein. Das Ziel ist es, die andere Person zum Schweigen zu bringen, ohne jemals auf eine Erklärung der Wahrheit oder Fakten zurückgreifen zu müssen. Dies ist ein Beispiel für die Haltung und den Ton des Kämpfers für soziale Gerechtigkeit, des „Social Justice Warrior”.

Nur jemand, der unsicher ist, was das Erfassen der Fakten betrifft, muß versuchen, die andere Person moralisch einzuschüchtern. Die Wahrheit ist wohlwollend und kann in einer ruhigen und nicht wertenden Weise dargelegt werden. Wenn du jemanden hörst, der seine Meinung in einem solchen wohlwollenden und nicht wertenden Tonfall zum Ausdruck bringt, ist das ein Hinweis darauf, daß seine Behauptungen wahrscheinlich auf der Realität beruhen. Die Wahrheit erfordert nicht, seine Gegner zu verurteilen, um am Ende zu gewinnen.

 

Zum Faschismus, rechts und links!

Ich habe diese beiden Sätze gepostet, was zum Austausch unten führte:

Den Kapitalismus zu zerstören ist keine soziale Gerechtigkeit. Werfe einen Blick auf die Geschichte der Länder ohne Kapitalismus!
F: Kapitalismus, Sozialismus und Faschismus, waren allesamt als Wege zu einer Utopie konzipiert, die eigentlich nicht erreicht werden kann. Kein einziger von ihnen ist tatsächlich in reiner Form umgesetzt worden. Die Debatte sollte sich nicht darum drehen, ob wir kapitalistisch oder sozialistisch sein sollten, sondern wo wir uns auf dem Spektrum dazwischen befinden sollten, und ich denke, die meisten Menschen würden zustimmen, daß wir den Faschismus ganz und gar ablehnen sollten.

DH: Ja, ich stimme absolut zu, daß wir alle den Faschismus ablehnen sollten. Das große Problem ist, daß die Menschen für bestimmte Arten von Faschismus blind sind und in anderen Fällen Faschismus sehen, wo es keinen Faschismus gibt.

Zum Beispiel verstehen die Menschen auf der linken Seite nicht, daß es so etwas wie den Faschismus der Linken gibt. Und natürlich waren sowohl der Faschismus als auch der Nazismus sozialistische Bewegungen. Aber ich spreche von etwas, das darüber hinausgeht. Der sowjetische und der chinesische Kommunismus sind faschistische Bewegungen. Solange die Menschen das nicht verstehen, verstehen sie den Faschismus nicht.

Was den Kapitalismus betrifft, so hat sich der Kapitalismus im Gegensatz zum Faschismus und Sozialismus auf natürliche Weise entwickelt, nicht als Ideologie. Und mit Kapitalismus meine ich nicht Monopole und Trusts und Spießgesellenkapitalismus. Ich meine den freien Austausch von Waren und Dienstleistungen. Wahlfreiheit. Spontane wirtschaftliche Aktivität, die, so würde ich sagen, untrennbar mit Freiheit verbunden ist. Es dreht sich alles um Wahlmöglichkeit. Politische Korrektheit und damit zusammenhängende Phänomene sind Anti-Wahl. Die Meinungsfreiheit wird unterdrückt usw.

Reich, W. (1946): Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1974:

„Der Faschismus ist in seiner reinen Form die Summe aller irrationalen Reaktionen des durchschnittlichen menschlichen Charakters.“ (S. 14)

„Faschismus ist keine politische Partei, sondern eine bestimmte Lebensauffassung und Einstellung zu Mensch, Liebe und Arbeit.“ (S. 22)

"Faschistisches Rebellentum entsteht immer dort, wo eine revolutionäre Emotion durch Angst vor der Wahrheit in die Illusionen umgebogen wird. (S. 14)

„Gemeint ist die echte Freiheit der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die Freiheit von Lebensangst, von ökonomischer Unterdrückung welcher Form immer, die Freiheit von reaktionären Hemmungen der Entwicklung, kurz, die freiheitliche Selbstverwaltung des Lebens. Befreien wir uns von allen Illusionen. In der Menschenmasse selbst wirkt eine reaktionäre, mörderische, entwicklungshemmende Macht, die alle Anstrengungen der Freiheitskämpfer immer wieder zuschanden macht. Diese reaktionäre Macht in den Menschenmassen erscheint als allgemeine Angst vor Verantwortung und als Angst vor Freiheit. Dies sind keine moralischen Werturteile. Diese Angst wurzelt tief in der biologischen Konstitution des heutigen Menschen.“ (S. 294)

Reich, W. 1949. Äther, Gott und Teufel. Frankfurt: Nexus 1983, S. 48f:

„Als ich im Banne der großem sozialistischen Bewegung stand und jahrelang mitten in den unteren Volksschichten als Arzt arbeitete, fiel ich dem groben Irrtum zum Opfer, da der ‚Kapitalist am Elend schuld‘ wäre. Es bedurfte der grausamen Erfahrung der russischen Revolution, um mich von diesem Irrtum zu befreien. Sie hatten die Kapitalisten gemordet, und das Elend wurde größer und umfassender; das Lügen, die Diplomatie, das Politikantentum, die Spionage und Angeberei, die auszurotten sie ausgezogen waren, waren mächtiger denn je.“

„Die Menschheit, in Millionen Fraktionen, Gruppen, Nationen und zuletzt Staaten aufgesplittert, zerfleischte sich mit gegenseitigen Beschuldigungen. ‚Die Griechen sind schuld‘, sagten die Römer, und ‚die Römer sind schuld‘, sagten die Griechen. So bekriegten sie einander. ‚Die alten jüdischen Priester sind schuld‘, riefen die jungen Christen; ‚Die Christen haben den falschen Messiah gepredigt‘, riefen die Juden und schlugen den harmlosen Jesus ans Kreuz. ‚Die Mohammedaner und Türken und Hunnen sind schuld‘, schrien die Kreuzfahrer. ‚Die Hexen und die Ketzer sind schuld‘, heulten die späteren Christen jahrhundertelang und mordeten, henkten, räderten, verbrannten Ketzer ... Allmählich begann das Volk auf den Plan zu treten. ‘Die Königin ist schuld’, riefen die Volksvertreter und köpften die Königin. Das Volk tanzte heulend um die Guillotine. Es produzierte Napoleon. ‚Die Österreicher, die Preußen, die Russen sind schuld‘, hieß es nun. ‚Napoleon ist schuld‘, klang es zurück. ‚Die Maschinen sind schuld‘, schrien die Weber, und ‚Das proletarische Lumpenpack ist schuld‘, klang es zurück. ‚Die Monarchie ist schuld, es lebe die Konstitution!‘ riefen die Bürger. ‚Das Bürgertum und die Konstitution sind schuld, erschlagt sie, hoch die Diktatur des Proletariats‘, riefen die proletarischen Diktatoren, und ‚die Russen sind schuld‘, brüllte es zurück. ‚Deutschland ist schuld‘, riefen die Japaner und die Italiener im Jahre 1915. ‚England ist schuld‘, riefen die Väter der Proletarier 1939, und ‚Deutschland ist schuld‘, riefen dieselben Väter der Proletarier1942. ‚Italien, Deutschland und Japan sind schuld‘, heißt es 1940.

Nur wenn man sich streng außerhalb dieses Inferno hält, vermag man zu staunen, daß das Menschentier fortfuhr ‚schuldig‘ zu rufen, ohne an seinem Verstande zu zweifeln; ohne daß es einer Menschenseele eingefallen wäre, nach der Herkunft der Schuld zu fragen. Solche Massenpsychosen haben eine Herkunft und eine Funktion. So konsequent zu irren und die Aufhellung solchen Irrens schwer zu bestrafen, bringen nur Lebewesen zustande, die eine Katastrophe zu verbergen haben.“ (S. 29-31)

Reich, W. 1953/1995: Menschen im Staat [Die emotionale Pest des Menschen, Band 2], Frankfurt: Stroemfeld/Nexus:

„Grundsätzliches zum roten Faschismus:

Der Kommunismus in seiner gegenwärtigen Gestalt als roter Faschismus ist keine politische Partei wie andere politische Parteien. Es ist die organisierte emotionelle Pest. (…) Wenn man einen Liberalen, einen Sozialisten oder einen Republikaner nach seinen Ansichten fragt, so gibt er eine offene Antwort. Der rote Faschist jedoch sagt einem nicht, was er ist, wer er ist und was er will. Das zeigt, daß Tarnung bzw. das Sichverstecken sein Hauptmerkmal ist. (…) Es handelt sich hier um ein Verschwören und Sichverstecken um seiner selbst willen, nicht als Mittel zur Erreichung eines vernünftigen Ziels. (…) Das einzige Ziel der Verschwörerei ist die Macht – nicht etwa ein bestimmter sozialer Zustand. (…) Die organisierte EP baut auf die übelsten Eigenschaften des Menschen; alles, was ihre Existenz bedroht, wird von ihr verleumdet oder zu zerstören versucht. Eine Tatsache zählt für die EP nicht an sich, sondern nur im Hinblick darauf, ob sie ihr genehm ist. Die EP kennt dementsprechend keinen Respekt vor den Tatsachen. (…) Diese Haltung gegenüber Tatsachen und Wahrheiten, Geschichte und menschlichem Wohlergehen ist kein spezifisches Merkmal des roten Faschismus; sie ist typisch für jede Politik. Der rote Faschismus unterscheidet sich von anderen Formen der Politik dadurch, daß er jegliche Mechanismen gegen den Mißbrauch der Macht ausschaltet (…).“ (S. 213f)

Faschismus ist etwas im Innern der Menschen in ihrer emotionalen Struktur.

 

Rassismus, rechts und links

Ich bin der Meinung, daß die Linke wahrscheinlich rassistischer ist als die Rechte. Eine andere Möglichkeit, dies zu formulieren, wäre vielleicht, daß die Linke ihren Rassismus zumindest stärker verleugnet.

Ich glaube, daß die Linke ihren eigenen Rassismus auf die Rechte projiziert.

Ich glaube, daß die Haltung der Linken gegenüber den Schwarzen in vielerlei Hinsicht rassistisch ist.

Es scheint mir, daß die Linke im Grunde die Haltung einnimmt, daß die Schwarzen irgendwie nicht fähig sind, ihre eigenen Probleme zu lösen. Ich glaube, das ist eine rassistische Haltung.

Es scheint mir, daß die Linke sich auch anmaßt für Schwarze zu sprechen.

Ich glaube, auch das ist eine rassistische Haltung. Ich glaube, daß die Linke die Schwarzen benutzt, um ihre eigene politische Agenda voranzubringen, die zu einem Gutteil nichts mit Schwarzen zu tun hat. Auch das ist rassistisch, oder zumindest zynisch.

Wie es bei ihnen in politischen Zusammenhängen die Regel ist, neigt die Rechte weniger dazu, ihre Ansichten und Motive zu verschleiern als die Linke. Es ist zum Beispiel überhaupt nicht schwer, die Ansichten und Haltungen des KKK zu erkennen. Das galt auch für Hitler. Er gab nicht vor, der beste Freund der Juden zu sein.

Im Gegensatz dazu stellten sich Stalin und Mao so dar, als hätten sie edle Rechtfertigungen für das Ermorden von Menschen (und sie ermordeten mehr Menschen als die Nazis). Ich bin ziemlich sicher, daß sie das auch in ihren eigenen Köpfen glaubten.

Ein Problem ist, daß die Linke ihren eigenen Rassismus nicht wahrnimmt.

Was das Ausmaß des Rassismus der Rechten in Amerika betrifft, so ist er meiner Meinung nach meist oberflächlich. Ich kenne zum Beispiel einige „gute alte Kumpel“, die vielleicht gelegentlich etwas sagen, das entweder leicht rassistisch ist oder fälschlicherweise so interpretiert werden könnte. Aber ich glaube, dieselben „guten alten Kumpel“ würden einen Schwarzen, der von echten Rassisten angegriffen wird, körperlich verteidigen.

Was den Vorwurf der Mißhandlung von Schwarzen durch die Polizei betrifft, die in keinem Verhältnis zu den gleichen Taten der Polizei gegen Weiße stünde, stützen die Daten diese Behauptung nicht. Ich habe diese Daten in mehreren Beiträgen präsentiert, und sie sind im Internet leicht zu finden. (Auch der Vorwurf einer wirklich bedeutenden Menge an generellem Fehlverhalten der Polizei wird durch die Daten nicht gestützt).

Ich verwende den Begriff „Rassismus“ hier im wörtlichen, einfachen, geradlinigen, „altmodischen“ Sinn des Wortes.

Ich glaube, daß sich hinter dem Begriff „systemischer Rassismus“ weitgehend oder größtenteils eine viel umfassendere politische Agenda verbirgt, die nichts mit Rassismus im wörtlichen Sinne zu tun hat.

 

Borderline-Politik: Wer hat das „heiße Eisen“?

Politik und politische Diskussionen haben in diesen Tagen Qualitäten angenommen, die im Grunde identisch sind mit dem, was man bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung sieht. Beispiele dafür sind die Idealisierung oder Abwertung anderer, aber auch der „talionische“ Impuls, also der Wunsch nach Rache. Eines der Ergebnisse ist, was ich manchmal als „das Hin-und-her-Werfen des heißen Eisens“ bezeichne, was durch folgende Art von Gesprächen veranschaulicht wird: Person A sagt: „Du bist böse“, dann sagt Person B: „Nein, du bist der Böse“, und dann wird dies bis zum Erbrechen wiederholt. Klingt vertraut? In diesem Geisteszustand ist es unmöglich, eine konstruktive Diskussion zu führen, denn der Wunsch, zu beweisen, daß der andere schlecht ist, ist ein Impuls, der viel stärker ist als die Vernunft.

Wir alle tun dies, weil es Teil der menschlichen Natur ist. Wir alle lassen uns davon mitreißen und spielen unsere Rolle. Im Grunde würde ich sagen, daß die Menschen immer dann, wenn sie sich streiten, in einen Borderline-Zustand geraten.

Offensichtlich beobachtet man das in unserem politischen Leben. Eigentlich denke ich, daß die Wahl von Trump und wie gut einige mit seiner Aggressivität zurechtkommen ein Ausdruck des Rachedrangs der amerikanischen Mittelschicht ist, die sich gegen die Linke, wie sie von Hillary Clinton vertreten wird, zur Wehr setzte. Ob man der Meinung ist, daß diese „Rache“ gerechtfertigt war oder nicht, hängt von der politischen Orientierung ab. Ich denke, es hängt weitgehend davon ab, ob man glaubt, daß der Kapitalismus das überlegene Wirtschaftssystem ist und daß es dem politischen System erlaubt sein sollte, allzu rasche Veränderungen zu bremsen, wie es die Verfassungsväter im Auge hatten, als sie die Struktur der Verfassung der Vereinigten Staaten schufen.

Aber das ist eine politische Diskussion. Wie dem auch sei, man sieht offensichtlich eine tiefgreifende Rache der Linken, mit dem Wunsch, mit allen Mitteln, die notwendig sind, zu gewinnen, alles rationalisiert durch ein Narrativ darüber, wie schlecht Trump und seine Unterstützer sind. Das betrifft natürlich auch meine politische Meinung und die paßt vielleicht nicht zu dem, worüber ich im Augenblick zu schreiben gedenke. Aber es reiht sich in das Thema ein, das ich jetzt skizzieren werde.

Das Konzept „Borderline“ in der Psychiatrie reicht mehr als 100 Jahre zurück, es entstand im späten 19. und/oder frühen 20. Jahrhundert. Bis in die 1950er oder 1960er Jahre war das Konzept mit anderen Begriffen wie „Borderline-Schizophrenie“ und „ambulante Schizophrenie“ verbunden. Diese Begriffe und der Begriff „Borderline“ bezogen sich bis in die 1950er oder 1960er Jahre auf Menschen, die ähnliche Merkmale wie bei Schizophrenie aufwiesen, jedoch ohne Psychose. Diese Merkmale könnte man unter dem Begriff „schizoid“ zusammenfassen, der Symptome einer nicht-psychotischen paranoiden Verhaltensweise einschließt.

Das gegenwärtige psychiatrische Diagnosesystem entstand in den 1950er Jahren in dem Versuch, psychiatrische Diagnosen zu standardisieren, um die Forschung (meist pharmakologische Forschung) zu erleichtern. Bis 1984 hatte das als „DSM“ bekannte Diagnosesystem die [amerikanische] Psychiatrie vollständig übernommen und sie den Psychoanalytikern entrissen. In diesem Prozeß wurde die psychiatrische Behandlung von der pharmazeutischen Behandlung dominiert, und ein enormer Vorrat an Wissen über die Natur des Menschen wurde über Bord geworfen.

In der psychotherapeutischen Welt begannen sich akademische Zentren, die auch das Zentrum für psychopharmakologische Forschung und Finanzierung waren, für die Theorie der kognitiven Therapie zu interessieren, die von zwei Psychiatern mit psychoanalytischer Ausbildung namens Aaron Beck und Albert Ellis entwickelt wurde. Die antipsychoanalytische Voreingenommenheit in ihren Lehren ist offensichtlich, aber die Theorie und Technik der Therapie lehnte sich tatsächlich stark an die psychoanalytische Theorie und Technik an und produzierte im Grunde eine Form von „Psychoanalyse light“, die die Tiefenpsychologie mied und es vorzog, sich auf den bewußten Geist zu konzentrieren. Das Narrativ der kognitiven Therapie war, wie das Narrativ der Verhaltenstherapie, mit der sie schließlich verschmolz, so formuliert, daß es „wissenschaftlich“ klingt, was natürlich reizvoll war. Praktizierende der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) versprachen, menschliche Probleme in 10 oder 15 Sitzungen zu heilen, was offensichtlich für private und öffentliche Versicherungsträger äußerst attraktiv war. Diese Einrichtungen finanzierten Universitäten, einschließlich der Forschung über KVT, die zeigte, daß insbesondere die kognitive Therapiekomponente kurzfristig wirksam war. Spätere Studien erwiesen, daß der hauptsächliche Wirkmechanismus jeder Art von psychotherapeutischer Behandlung, einschließlich der KVT, die tatsächliche Beziehung zum Therapeuten ist, was im Grunde ein psychoanalytisches Konzept darstellt und definitiv kein KVT-Konzept, weshalb er weitgehend ignoriert wird.

Ich möchte sagen, daß die DSM-Diagnosen im Grunde genommen alle fünf Jahre von einem Haufen Menschen erstellt werden, die in einem Holiday Inn um einen Konferenztisch sitzen. Sie schöpfen aus der Forschung, die ihnen zur Verfügung steht, mit den üblichen Voreingenommenheiten, die nicht nur in der Politik, sondern auch in der wissenschaftlichen Welt vorhanden sind, vor allem durch die Forschungsfinanzierung, die in erster Linie von der Bundesregierung und von der Pharmaindustrie kommt, die nach dem Öl die zweitgrößte Industrie der Welt ist.

Das DSM-Buch ist die größte Finanzierungsquelle für die American Psychiatric Association, zusammen mit den anderen Zweigen der Verwendung des DSM – ähnlich wie bei der lukrativen begleitenden Vermarktung bei Spielfilmen mit der Herstellung von Spielzeug usw. Und natürlich wird das DSM-System von der pharmazeutischen Industrie unterstützt, da es zum größten Teil impliziert, daß menschliche Probleme rein chemischer Natur sind.

In den 1970er und 1980er Jahren saßen Experten für Borderline-Persönlichkeitsstörungen um einen dieser Konferenztische und durften jeweils ein oder zwei diagnostische Kriterien einwerfen, um diese im Wesentlichen neue Entität namens Borderline-Persönlichkeitsstörung zu schaffen. Das Ergebnis war ein Mosaik von Symptomen. Dabei änderte sich die Art des Konzepts von etwas offenkundig Schizoidem zu etwas, das viel mehr mit Stimmungsstörungen wie der bipolaren Störung in Verbindung gebracht wurde. Betrachtet man andererseits die diagnostischen Kriterien vom psychoanalytischen Standpunkt aus, so gibt es deutlich schizoide Züge, aber im Interesse der relativen Kürze werde ich darauf hier nicht eingehen.

Deshalb möchte ich einige Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung beschreiben, wie ich es bereits in früheren Beiträgen getan habe, um meine These über unsere Borderline-Politik zu illustrieren. Diese Merkmale leiten sich weitgehend aus der älteren, psychoanalytischen Behandlung und den Schriften über die Borderline-Persönlichkeit ab.

Die alte psychoanalytische Theorie der „Schizoidität“ hatte einige ihrer Wurzeln in der Arbeit der Psychoanalytikerin Melanie Klein, die zusammen mit Sigmund Freud und Wilhelm Reich zu den drei einflußreichsten Psychoanalytikern gehörte. (Klein gründete eine Schule namens „Objektbeziehungen“, die viele andere äußerst einflußreiche Psychoanalytiker hervorbrachte, aber sie gelten als Ableger ihrer Arbeit.)

Klein erarbeitete eine Theorie der Schizoidität. Sie kam zu dem Schluß, daß es eine Entwicklungsstufe namens „die paranoid-schizoide Position“ gebe, die, wenn sie einmal erfolgreich gelöst sei, zu einer, wie sie es nannte, „depressiven Position“ führte, die eine reifere psychologische Entwicklung darstelle. In der schizoiden Position integriert der Säugling die befriedigenden und unbefriedigenden Aspekte der Mutter noch nicht in sein Bewußtsein. Die „gute Mutter“ befriedigt mit der Brust und der Aufmerksamkeit, die sie dem Säugling schenkt. Die „schlechte Mutter“ ist die Mutter, die in irgendeiner Weise unerreichbar ist und den Säugling verängstigt und traurig und wütend macht und alleinläßt. Diese „Schlechtigkeit“ könnte etwas so Einfaches sein, wie vorübergehend in einem anderen Raum zu sein, oder es könnte etwas Schlimmeres sein, wie eine depressive Mutter, die nicht über die emotionalen Ressourcen verfügt, um ihr Kind zu nähren. Der Säugling oder die Person in der schizoiden Position erlebt diese beiden verschiedenen Mütter als in gewissem Sinne verschiedene Menschen und nicht als dieselbe Person. Theoretisch ist das weniger erschreckend, als wenn man bedenkt, daß die eigene Mutter oder irgendjemand anderes (denken Sie an Trump oder die Demokraten oder die Republikaner) sowohl gute als auch schlechte Aspekte beinhaltet. Für den unreifen Geist verdirbt das Schlechte alles Gute, und deshalb ist das erschreckend.

Kleins Idee war, daß die paranoid/schizoide Position und die depressive Position keine tatsächlichen Entwicklungsstadien sind, die vollständig aufgelöst werden, sondern sich im Laufe des Lebens abwechseln. Zu Hoffen ist, daß eine Person mehr Zeit in der depressiven Position verbringt. Hier ein ungeschickter Versuch, das Konzept der depressiven Position in einem Satz zusammenzufassen: es bezieht sich im Grunde darauf, mit einem gewissen Grad an Depression zu akzeptieren, daß die schlechte Mutter und die gute Mutter ein und dieselbe Person sind. Menschen, die die depressive Position nicht aufrechterhalten können, neigen dazu, andere in der Welt generell als rein gut oder rein schlecht zu sehen, ähnlich wie wir es heute in der Politik erleben. Das Gut/Schlecht-Phänomen wird in der alten psychoanalytischen Literatur als „Aufspaltung“ bezeichnet: die Aufrechterhaltung der Trennung von Gut und Böse anstelle einer reiferen Orientierung, die darin besteht, daß es in uns allen zu jeder Zeit Gut und Böse gibt. Darauf wollte ich in meinem jüngsten sehr kurzen Beitrag über das Konzept der Sünde hinweisen.

Das ist es also, was ich mit der „heißes Eisen“-Theorie der borderline/schizoiden Politik meine.

Wilhelm Reich und seine Anhänger haben einige dieser Konzepte auf eine neue Art und Weise weiterentwickelt, auf die ich hier nicht näher eingehen werde, die aber meiner Meinung nach eine weitgehend überlegene Weiterentwicklung dieser Konzepte darstellt, was auch weitgehende Änderungen beinhaltet.

 

„Inflammatorische Politik“

Etwas, das mir vor etwa einem Monat bewußt wurde, war, wie das Denken über Politik eine Art psychologische und emotionale „Entzündungsreaktion“ in mir auslöst. Es gibt auch eine Art subtiles körperliches Gewahrsein, ich kann es wirklich nicht genau beschreiben. Dieses Bewußtsein hat mir geholfen, mich ein wenig danach auszurichten, weniger über Politik nachzudenken oder darüber zu sprechen, zumindest in meinem Privatleben. Ich denke, daß sich auf Facebook die Dinge für mich vielleicht nicht geändert haben oder vielleicht doch ein bißchen verschärft haben! Aber ich spüre jetzt einen Impuls in mir, mich zumindest vom Hin und Her des Streitens auf Facebook zu lösen. Ich verspüre immer noch den Drang, Beiträge zu verfassen und meine Ansichten zu äußern, aber ich denke, daß ich mich vielleicht weniger für den eigentlichen „inflammatorischen“ Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn-Disput mit den Leuten interessieren werde. Es scheint, daß nicht nur das Hin und Her des Streitens in den Kommentarabschnitten, sondern auch in den Beiträgen selbst eine „inflammatorische“ Qualität hat. Das wird natürlich auch auf meine Beiträge zutreffen.

Früher habe ich in meinen Posts keine offensichtlichen politischen Positionen zum Ausdruck gebracht, bis die ganze „Trump will, daß du dir Bleichmittel injizierst"-Sache aufkam. Das war für mich der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, weil ich den Unsinn einfach nicht mehr ertragen konnte und das Gefühl hatte, ich müsse mich in die Auseinandersetzung einmischen. Bis dahin zog ich es vor, relativ „getarnt“ zu bleiben, was die Spezifika der politischen Orientierung betraf, obwohl ich vermute, daß meine Orientierung wohl offensichtlich war.

Ich schätze, ich würde sagen, daß mein Problem mit den Posten des Typs „Trump will Bleichmittel injizieren“ darin besteht, daß sie einfach so kleingeistig und unreif und bösartig wirken. Untergründig, überhaupt nicht direkt. Ich hoffe, daß meine Beiträge, obwohl sie eklatant bissig sein können und manchmal vielleicht wütend, zumindest direkter sind und weniger kleinlich und nicht „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.

 

Eine Haltung der Gewißheit ist oft eher ein Zeichen defensiver Unsicherheit als von Weisheit

Aggressiv sein, wenn es um die eigene Meinung geht, ist eine Möglichkeit sich nicht unsicher zu fühlen. Ich bin der Überzeugung, daß Gewißheit fast nie ein gutes Zeichen ist! Meiner Erfahrung nach sind sich Menschen, die ein Thema, ein Feld oder ein Handwerk wirklich kennen, nie sicher. Nur Menschen, die Wissen aus dem Weg gehen, fühlen sich des Wissens, das sie haben, sicher! Menschen, die wirklich intellektuell anspruchsvoll sind, fühlen sich vollkommen wohl dabei, unsicher zu sein, und sind immer bereit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß sie sich irren.

 

Wahrheit und Zwang

Wenn jemand versucht, eine andere Person zu nötigen oder einzuschüchtern, damit sie seinem Standpunkt zustimmt, werte ich das als ein Zeichen von Unsicherheit; mit anderen Worten, als ein Zeichen, daß derjenige tatsächlich unbewußte Zweifel an der Wahrheit seiner Ansichten hat. Es scheint mir, daß, wenn jemand volles Vertrauen in die Wahrheit seiner Ideen hätte, er mehr Vertrauen hätte, daß die Wahrheit am Ende siegen wird. Es wäre also nicht nötig, zu versuchen, anderen seine Ideen aufzudrängen. Darüber hinaus würde er erkennen, daß Negativität, Feindseligkeit und Zwang die Möglichkeit, die Wahrheit zu verbreiten, untergrüben. Wenn man dies in Betracht zieht, ginge er also ruhig, sanft und freundlich vor, um der Wahrheit dabei u helfen, sich so schnell wie möglich zu verbreiten.

 

Über Politik im Therapieraum

Die überwiegende Mehrheit meiner Patienten kennt weder meine politische Orientierung, noch würden sie es durch meine Art und Weise herausfinden. Ich bin sanft, verständnisvoll und unvoreingenommen.

Wenn Patienten über Politik sprechen, höre ich einfach einfühlsam zu, so wie ich auch anderen Dingen zuhören würde, die sie bewegen.

Ich moralisiere nicht mit Patienten darüber, was sie denken und fühlen sollten. Ich akzeptiere alle gleichermaßen. Als Therapeut habe ich keine Favoriten.

Politik kommt meistens aus dem Kopf. Sie kann eine Form der Flucht aus dem Herzen und aus den Gefühlen sein. Es geht im Grunde genommen um verdrängte Ängste. Wenn ein Patient in einer Therapiesitzung Politik zur Sprache bringt, ist das sehr oft ein Weg, mit dem vermieden werden soll, über tiefere, persönlichere Dinge zu sprechen. Aber ich sage das nie und versuche auch nicht, die Leute davon abzubringen. Ich höre einfach nur zu und lasse mich nicht aktiv darauf ein. Ich verfolge diesen Ansatz, um zu vermeiden, daß ich mich dem Patienten in seinem Bemühen anschließe, davor wegzulaufen, über sein eigenes Leben zu sprechen.

Man spürt, wie sich die ganze Atmosphäre im Raum verändert, wenn die Politik in eine Therapiesitzung eindringt. Alles wird sehr verkopft, intellektuell und beladen mit der Verlagerung von Emotionen aus dem persönlichen Bereich, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

 

Wie ich die verbalen Aspekte der von mir praktizierten Körperpsychotherapie durchführe und warum die Politik dabei keine Rolle spielt

Im Grunde genommen verfolge ich, kurz gesagt, die Affekte und Emotionen des Patienten, spiegele sie wider und versuche zu erreichen, daß der emotionale Ausdruck anhält. Bis zu einem gewissen Grad macht es also keinen oder fast keinen Unterschied, worüber der Patient spricht! Wenn also eine politische Emotion auftritt, dann ist das für den Patienten nur ein weiteres Mittel, um Gefühle auszudrücken, die losgelassen werden müssen. Da ich es auf dieser Ebene betrachte, macht es für mich keinen Unterschied, worum es sich bei der Politik handelt. Als Therapeut kann ich mich in jede Art politischer Emotionen einfühlen, denn für mich ist es keine politische Diskussion, es sei denn, ich würde sie zu einer machen, was ich nicht tue, denn das würde es zu meiner Therapie machen!

Unter diesen Umständen kann ich sogar über einen politischen Witz lachen, der mich unter anderen Umständen stören könnte – denn ich beziehe mich nur auf die Gefühle des Patienten, in die ich mich immer einfühlen kann, denn das ist das Wesen der therapeutischen Interaktion: Es geht um ihre Menschlichkeit, nicht um ihre Politik (oder meine). Es geht nicht um mich. Ich bin einfach ein Spiegel für die Erfahrung des Patienten.

Abgesehen davon, daß ich mich rein auf den Affekt des Patienten beziehe, suche ich auch nach Leitmotiven im Inhalt der verbalen Äußerungen des Patienten und in seiner charakteristischen Art, sich auf die Welt und die Menschen zu beziehen. Aber dies ist meist nur eine andere Art der „Jagd nach dem Affekt“, um dem Patienten zu helfen, die Blockaden zu überwinden, die die Freisetzung und den Ausdruck der zugrundeliegenden Emotion verhindern.

Ich glaube, in all dem steckt eine wichtige Botschaft: unser Menschlichkeit ist tiefer als unsere Politik.

 

Warum Lehrer den Schülern nichts über ihre politischen Überzeugungen mitteilen sollten

Wenn du als Lehrer oder Therapeut deinen Schülern oder Patienten deine politische Orientierung mitteilst, werden sie daraufhin das Gefühl kriegen, daß sie dir gefallen müssen. Ich denke, das ist eine fundamentale Verletzung jeder Lehrer/Schüler- oder Therapeut/Patient-Beziehung.

Es verstößt auch gegen das Prinzip der Suche nach der Wahrheit, einer Suche, bei der ihr nichts im Wege stehen sollte.

Ich denke, die Haltung des Lehrers sollte dem ähneln, was der Psychoanalytiker Donald Winnicott vorschlug, als er etwas konzipierte, das er den „Übergangsraum“ nannte. Winnicott veranschaulichte den Übergangsraum in seiner grundlegendsten Form durch eine Technik, die er bei Babys anwandte (er war Kinderarzt). Er bot dem Baby einen glänzenden Gegenstand, wie z.B. einen medizinischen Spatel an. Wenn das Baby die Hand ausstreckte und nach einem Spatel griff und damit spielen wollte, erlaubte er ihm, dies zu tun. Aber er zwang ihnen den Spatel nicht auf. Dies ist ein Modell für die Beziehung im „Übergangsraum“. Winnicott behandelte das Baby mit Respekt und erlaubte dem Baby, der „Agent“ der Interaktion zu sein, anstatt daß Winnicott in den „Übergangsraum“ eindrang. Ich denke, dies ist die gleiche Haltung, die Menschen im allgemeinen und insbesondere ein Lehrer oder ein Therapeut versuchen sollten, einander entgegenzubringen.

Es ist auch eine Technik zur Beobachtung und Beurteilung der Art und Weise, wie das Baby oder der Schüler oder Patient oder eine andere Person mit der Welt umgeht.

 

Die Emotionelle Pest ist unser Patient, sowohl auf der individuellen als auch auf der gesellschaftlichen Ebene

Ich habe einige Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die den Erfolg der Trump-Präsidentschaft bei der Hilfe für den einfachen Mann zeigen. Ich generiere eine große Anzahl von Postings auf meiner Facebook-Seite. Ich bin Psychiater, und jemand kommentierte: „Haben Sie keine Patienten, um die Sie sich kümmern müssen?“, was, vielleicht spielerisch, impliziert, daß ich vielleicht mehr Zeit damit verbringen sollte, meinen Patienten zu helfen, und weniger Zeit damit, Facebook-Posts zu erstellen. Ich antwortete humorvoll: „Ich habe sehr viel Energie, ich glaube, daß Schlaf etwas für Weicheier ist, und weil ich Arzt bin, bin ich hervorragend im Multitasking.

Später fiel mir ein, daß dies die Gelegenheit bietet, einige Kommentare abzugeben:

Einer meiner psychiatrischen Mentoren sagte einmal in einem Seminar, daß „die Emotionelle Pest unser Patient ist“. Die „Emotionelle Pest" ist ein vom Psychiater Wilhelm Reich entwickeltes Konzept:

„Wir dürfen die emotionelle Pest als dasjenige menschliche Verhalten bezeichnen, das aufgrund einer biopathischen Charakterstruktur sich in zwischenmenschlichen, also sozialen Beziehungen und in entsprechenden Institutionen organisiert oder typisch auswirkt“ (Reich, W. 1949: Charakteranalyse, Köln: KiWi, S. 334).

Das bedeutet, daß im Wesentlichen wir alle eine Rolle dabei spielen, in unseren Beziehungen und in den von uns geschaffenen sozialen Institutionen das zu ermorden, was emotional gesund ist, sowohl in uns selbst als auch außerhalb von uns. Was ein Psychotherapeut/Psychiater also tatsächlich behandelt, sind die Auswirkungen dieser Emotionellen Pest im Inneren des Patienten.

Diese Herangehensweise impliziert auch, daß, wenn ich auf Facebook etwas darüber poste, was in unserer sozialen und politischen Welt geschieht, ich versuche, das anzusprechen, was ich als die Emotionelle Pest auf dem gesellschaftlichen Schauplatz betrachte.

Also ja, ich habe Patienten, um die ich mich kümmern muß. Aber da sich die Emotionelle Pest sowohl im Individuum als auch in unseren sozialen Institutionen manifestiert: ob ich mich nun auf Facebook ausdrücke oder versuche, einem leidenden Mitmenschen auf individueller Grundlage zu helfen, ist alles Teil desselben Kampfes gegen die Emotionelle Pest.

„Gemeint ist die echte Freiheit der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die Freiheit von Lebensangst, von ökonomischer Unterdrückung welcher Form immer, die Freiheit von reaktionären Hemmungen der Entwicklung, kurz, die freiheitliche Selbstverwaltung des Lebens. Befreien wir uns von allen Illusionen. In der Menschenmasse selbst wirkt eine reaktionäre, mörderische, entwicklungshemmende Macht, die alle Anstrengungen der Freiheitskämpfer immer wieder zuschanden macht. Diese reaktionäre Macht in den Menschenmassen erscheint als allgemeine Angst vor Verantwortung und als Angst vor Freiheit. Dies sind keine moralischen Werturteile. Diese Angst wurzelt tief in der biologischen Konstitution des heutigen Menschen“ (Reich, W. 1946: Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1974, S. 294).

„Freiheitswille und Freiheitsfähigkeit sind nichts anderes als der Wille und die Fähigkeit zum Erkennen und Fördern der Entfaltung der biologischen Energie des Menschen“ (ebd., S. 305).

„Jeder gewissenhafte Mensch wird die Pest in sich selbst entdecken und derart besser begreifen, was die Welt immer wieder ins Unglück stürzt“ (Charakteranalyse, S. 368).

 

 

zuletzt geändert
11.10.20

 

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